"OHNE STRAUSS WÄRE DIE DDR PLEITE GEGANGEN!“ – DER WESTDEUTSCHE LIEBLINGSMYTHOS: EIN MYTHOS SO HALTBAR WIE EINE WESTBANANE IM FERIENKORB...
Es gibt in der deutschen Nachwendegeschichte kaum eine Erzählung, die so zuverlässig wieder und wieder hervorgeholt wird wie diese:
Die DDR sei Anfang der 1980er wirtschaftlich praktisch zusammengebrochen gewesen und nur Franz Josef Strauß habe den Sozialismus mit einem Milliardenkredit künstlich am Leben gehalten. Der CSU-Hardliner aus Bayern als Wiederbelebungshelfer des Marxismus.
Klingt schon beim ersten Lesen eher wie politische Satire als wie seriöse Wirtschaftsgeschichte. Ist es auch. Aber der Reihe nach.
Trotzdem wird diese Geschichte seit Jahrzehnten wiederholt. In Dokus, Talkshows und Zeitungskommentaren klingt es oft so, als hätte die DDR damals nur noch an irgendwelchen Schläuchen im Keller des Politbüros gehangen, wäre künstlich beatmet worden bis der Westen großzügig den Sauerstoff aufdrehte.
Das Problem: Die Geschichte wird durch Wiederholung nicht richtiger. Leider jedoch ist das Wesen der Propaganda und Manipulation ganz zweifellos: Je öfter eine Lüge wiederholt wird, umso mehr Menschen glauben sie.
Gerade im Kontext der DDR-Geschichte kommt noch etwas hinzu:
Viele Menschen wollen diese Erzählungen glauben, weil sie das eigene Weltbild einfacher machen. Denn wenn die DDR angeblich wirtschaftlich zwangsläufig scheitern musste, muss man sich weder ernsthaft mit ihren tatsächlichen Leistungen noch mit den Widersprüchen des heutigen Systems beschäftigen.
Denn der berühmte Strauß-Kredit war weder ein humanitäres Geschenk noch eine selbstlose Rettungsaktion. Er war knallharte Interessenpolitik. Die DDR sollte weiterhin ihre Rechnungen im Westen bezahlen können – und damit westdeutsche Banken, Exporteure und BRD-Industrieunternehmen abgesichert bleiben.
🏦 WAS WAR DER STRAUSS-KREDIT ÜBERHAUPT?
1983 vermittelte Franz Josef Strauß einen Milliardenkredit westdeutscher Banken an die DDR. Zunächst ging es um rund eine Milliarde D-Mark, später wurde erweitert. Daraus entstand über die Jahrzehnte der Mythos:
"Die DDR war pleite und musste vom Westen gerettet werden."
Nur: Das Geld blieb gar nicht in der DDR.
Die DDR importierte aus der BRD und anderen westlichen Staaten Maschinen, Industrieanlagen, Chemieprodukte, Technologie, industrielle Vorleistungen und Spezialtechnik. Der Kredit floss direkt wieder zurück in die westdeutsche Wirtschaft.
Genau deshalb unterstützten westdeutsche Wirtschaftsakteure den Kredit überhaupt. Nicht aus Liebe zum Sozialismus. Nicht aus Sentimentalität gegenüber Honecker. Sondern weil die DDR ein relevanter Handelspartner und Absatzmarkt war. Und übrigens nicht nur als Abnehmer westdeutscher Produkte, sondern auch als Produktionsstandort:
Bereits in den 1980er Jahren ließen über 8.000 westdeutsche Firmen in der DDR produzieren oder arbeiteten in unterschiedlichsten Formen mit DDR-Betrieben zusammen. Darunter Konzerne und bekannte Namen wie: Quelle, Neckermann, Ikea, Salamander, Triumph, Karstadt, Otto, Quelle-Technikpartner, westdeutsche Versandhäuser, Textilunternehmen sowie zahlreiche Zulieferer der westdeutschen Auto- und Elektroindustrie.
Oder einfacher formuliert:
Die BRD gab der DDR Geld, damit die DDR weiter bei der BRD einkaufen konnte.
Das ist exakt so, wie wenn dir MediaMarkt einen Kredit gibt, damit du weiter Fernseher bei MediaMarkt kaufst – und sich anschließend selbst dafür feiert, dich "gerettet" zu haben. Anders formuliert: ganz normales Kreditwesen mit Ratenzahlung zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil. Nicht Menschenliebe, sondern knallhartes Eigengeschäft.

Abbildung: Deutsch-deutsche Begegnung bei der Leipziger Frühjahrsmesse 1987 – von links: Alexander Schalck-Golodkowski, Gerold Tandler, Günter Mittag, Franz Josef Strauß, Theo Waigel und Erich Honecker
🔄 DIE DDR NAHM DEN KREDIT AUF – UND BEZAHLTE DAMIT DIE BRD
Die Realität war deutlich weniger romantisch, als sie heute oft dargestellt wird.
Der Kredit stabilisierte weniger die DDR, sondern vor allem:
- westdeutsche Banken,
- westdeutsche Exportgeschäfte,
- den innerdeutschen Handel,
- industrielle Absatzmärkte im Westen.
Mit anderen Worten: Die BRD rettete nicht die DDR. Die BRD stabilisierte ein wirtschaftliches System, das für sie selbst essentiell war.
Und genau an dieser Stelle beginnt bis heute die eigentliche Geschichtsklitterung. Denn aus einem Devisenproblem wird rückwirkend ein angeblicher Totalbankrott konstruiert. Dabei sind das zwei völlig unterschiedliche Dinge.
💶 DIE DDR-MARK WAR KEINE WALL-STREET-WÄHRUNG – UND SOLLTE ES AUCH NIE SEIN
Einer der größten Denkfehler heutiger Debatten besteht darin, die DDR-Mark so zu bewerten, als hätte ihre Aufgabe darin bestanden, sich an internationalen Finanzmärkten gegen Dollar, Yen oder Schweizer Franken zu behaupten. Das war nie ihr Zweck.
Die DDR-Mark war keine globale Spekulations- oder Handelswährung wie der US-Dollar. Sie war (völlig bewusst) eine Binnenwährung. Eine Planungswährung. Eine Währung für die eigene Volkswirtschaft.
Ihre Aufgabe war:
- stabile Preise,
- kalkulierbare Löhne,
- günstige Mieten,
- sichere Versorgung,
- garantierte Grundbedürfnisse.
Und das funktionierte bestens 40 Jahre lang. Die Mark der DDR war nicht konzipiert für westliche Hedgefonds. Nicht für Währungsspekulation. Nicht für Börsengewinne in London, Frankfurt oder New York.
Innerhalb der DDR funktionierte dieses System über Jahrzehnte absolut stabil. Wohnen war billig, Energie massiv subventioniert, Kinderbetreuung praktisch kostenlos, Grundversorgung bezahlbar.
Das Problem begann erst dort, wo internationaler Handel ins Spiel kam. Denn außerhalb des sozialistischen Wirtschaftsraums akzeptierte natürlich kaum jemand DDR-Mark. Wer im Westen Maschinen, Technologie oder Rohstoffe kaufen wollte, brauchte harte Devisen:
D-Mark, Dollar oder andere westliche Währungen.
Und genau diese Devisen waren schwierig zu beschaffen. Nicht weil die DDR "wertlos" gewesen wäre, oder nichts kaufen konnte, sondern weil das westliche Finanzsystem selbstverständlich fast ausschließlich seine eigenen Währungen als globale Handelsmittel akzeptierte.
Das ist im Kern übrigens dasselbe Prinzip, weshalb die USA seit Jahrzehnten mit aller Macht darauf achten, den Dollar als internationale Leitwährung zu sichern – und zwar längst nicht nur beim Erdölhandel. Denn wer die globale Handelswährung kontrolliert, kontrolliert nicht nur Märkte, sondern auch Abhängigkeiten, Kredite, Zahlungsströme und politischen Einfluss. Genau deshalb war der Zugang zu D-Mark und Dollar für die DDR so entscheidend – nicht weil die eigene Binnenwirtschaft "wertlos" gewesen wäre (ganz im Gegenteil, die DDR verfügte über ein gewaltiges Volksvermögen), sondern weil internationale Märkte nach den Regeln westlicher Währungen funktionierten.
Die DDR musste sich diese Devisen über Exporte, Transitgebühren, Auslandsgeschäfte oder Kredite beschaffen. Das ist ein fundamentaler Unterschied. Die DDR hatte kein klassisches Binnenproblem. Sie hatte vor allem ein Devisenproblem innerhalb eines kapitalistischen Weltfinanzsystems. Oder vereinfacht: Innerhalb der DDR funktionierte die Mark der DDR. Außerhalb der DDR wollte der Westen lieber seine eigenen Scheine sehen.
Dass bis daraus bis heute gemacht wird, die DDR-Mark sei "nichts wert" gewesen, ist ungefähr so logisch wie zu behaupten, ein Berliner U-Bahn-Ticket sei wertlos, weil man damit nicht in der Pariser Metro fahren kann.
🧮 DER UNTERSCHIED ZWISCHEN DEVISENMANGEL UND STAATSBANKROTT
Natürlich hatte die DDR wirtschaftliche Probleme. Die hatte übrigens auch die BRD. Natürlich gab es Engpässe in der DDR. Natürlich fehlten harte Westdevisen. Aber Devisenmangel bedeutet eben nicht automatisch Staatsbankrott.
Das wird bis heute ständig verwechselt – teilweise aus Unwissenheit, teilweise aus politischem Kalkül. Die DDR funktionierte wirtschaftlich völlig anders als die kreditgetriebene Finanzarchitektur westlicher Staaten.
Kommunen konnten sich nicht hemmungslos verschulden. Städte der DDR hatten keine gigantischen Milliarden-Schuldenberge wie die Kommunen heute. Allein die Stadt Leipzig hat heute über 3 Milliarden Euro Schulden: unheilbar für Generationen. Historischer Fakt: DDR-Städte hatten keine Schulden. Sie durften nur mit dem wirtschaften, was sie hatten.
Während sich westdeutsche Städte und der Bund über Jahrzehnte massiv verschuldeten, basierte die DDR stärker auf realer Industrie, Produktion, Infrastruktur und staatlichem Eigentum. War das System perfekt? Natürlich nicht. Die DDR hatte teilweise technologische Rückstände, einzeln ineffiziente Strukturen, Modernisierungsprobleme und permanenten Devisendruck.
Dennoch schaffte es die kleine DDR (trotz massiver Startschwierigkeiten) innerhalb von 30 Jahren, in die Top 10 der weltweiten Industrienationen aufzusteigen. Die Landwirtschaft der DDR schaffte es bereits ab Mitte der 1980er Jahre, dank moderner und hochgradig mechanisierter LPG- und Kooperationssysteme, die Bevölkerung Grundnahrungsmitteln komplett autark selbst zu versorgen und dabei teilweise sogar Überschüsse zu erwirtschaften. Gerade in Bereichen wie Getreide, Schweinefleisch, Geflügel, Eiern, Milchproduktion oder Kartoffeln erreichte die DDR hohe Eigenversorgungsgrade. Das passt nur leider nicht besonders gut zur bis heute gepflegten Erzählung eines angeblich permanent zusammenbrechenden Staates.
Aber daraus das Märchen zu machen, die DDR sei 1983 nur noch durch einen CSU-Politiker künstlich beatmet worden, ist eher Kabarett als seriöse Wirtschaftsgeschichte.
Abbildung: Am 24. Juli 1983 traf der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß den DDR-Staatschef Erich Honecker im Jagdschloss am Werbellinsee. Wenig später wurde der berühmte Milliardenkredit für die DDR eingefädelt: 1 Milliarde D-Mark, organisiert über westdeutsche Banken mit politischer Rückendeckung aus der BRD.
Was heute oft verschwiegen wird: Dieses Geld floss nicht "in den Sozialismus", um dort irgendeinen Luxus zu finanzieren. Der Kredit diente dazu, bestehende Verbindlichkeiten der DDR gegenüber westdeutschen Banken, Unternehmen und Lieferanten zu bedienen. Die Summe floss also direkt wieder (wie wenige Jahre später das sogenannte "Begrüßungsgeld") zurück in die BRD-Wirtschaft..
📑 DAS SCHÜRER-PAPIER – ODER: WIE AUS EINER INTERNEN KRISENNOTIZ EIN "BANKROTTBEWEIS" GEMACHT WURDE
An dieser Stelle kommt fast immer das berühmte Schürer-Papier ins Spiel. Denn sobald jemand behauptet: "Die DDR war doch komplett pleite!", wedelt früher oder später irgendwer mit einem Dokument aus dem Herbst 1989 herum, das angeblich den unmittelbaren Staatsbankrott beweisen soll.
Das Problem: Selbst BRD-Wirtschaftshistoriker wiesen bereits kurz nach Veröffentlichung darauf hin, dass dieses Papier methodisch problematisch, politisch zugespitzt und später in allen wesentlichen Punkten relativiert wurde.
Die (fehlerhafte) Analyse entstand in einer extremen Krisensituation kurz vor dem Ende der DDR. Verschiedene Risiken, Szenarien und Prognosen wurden später verkürzt als "Beweis der Pleite" verkauft.
Von den angeblich gigantischen Schuldenbergen der DDR aus dem später politisch massiv aufgeladenen Schürer-Papier blieben am Ende selbst nach westdeutschen Bewertungen (Quelle: Deutsche Bundesbank!) nur rund 18 Milliarden D-Mark Auslandsverschuldung der DDR übrig. Jener Staat, der bis heute gern als "bankrott" dargestellt wird, war bilanziell deutlich niedriger verschuldet als die BRD selbst.
Denn Staatsschulden vergleicht man selbstverständlich nicht einfach als absolute Zahl. Entscheidend ist:
- Wie hoch ist die Verschuldung pro Kopf?
- Wie groß ist die Volkswirtschaft?
- Welche Vermögenswerte stehen dahinter?
Und genau dort wird es plötzlich unangenehm für die bekannte "DDR war pleite"-Erzählung.
Die Staatsverschuldung der BRD lag 1989 bereits ungefähr dreimal so hoch wie die der DDR. Rechnerisch bedeutete das:
Ein DDR-Bürger war mit rund 4.800 D-Mark Staatsverschuldung belastet, während ein BRD-Bürger bereits mit über 15.000 D-Mark "gesegnet" war.
Trotzdem behauptet bis heute niemand ernsthaft, die BRD sei 1989 pleite gewesen. Warum? Weil westliche Schulden plötzlich als modern, investiv oder alternativlos gelten. Im Osten werden dieselben Mechanismen rückwirkend als angeblicher Zusammenbruch dargestellt.
Hinzu kommt noch ein brisantes Detail:
Die DDR hatte gleichzeitig erhebliche Auslandsguthaben und Forderungen gegenüber anderen Ostblockstaaten. Über Schulden der DDR wird bis heute ständig gesprochen. Über das, was andere Staaten der DDR schuldeten, erstaunlich selten.
Wenn man die Auslandsguthaben und Forderungen der DDR gegenüber Staaten des Ostblocks bilanziell mit einrechnet, war die DDR unter dem Strich tatsächlich der einzige deutsche Staat, der jemals eine positive Gesamtbilanz aufwies: Die DDR verfügte über rund 29 Milliarden Valutamark Forderungen gegenüber RGW-Staaten wie UdSSR, Polen, Ungarn und ČSSR, zusätzlich etwa 6,75 Milliarden D-Mark Guthaben gegenüber Entwicklungsländern. Das ist kein nostalgisches Hirngespinst und auch keine politische Romantisierung, sondern eine ökonomische Realität, die in vielen populären Darstellungen bis heute konsequent ausgeblendet wird.
Und dann kommt noch ein weiterer Punkt: Die DDR besaß enorme reale Vermögenswerte:
Industrieanlagen, Infrastruktur, Wohnungsbestände, Energienetze, Produktionsstätten und volkseigene Betriebe. Die (und ihr Verbleib) haben wir uns hier einmal im Detail angeschaut: DDR-Volksvermögen 1990: Wie ein Land skrupellos geplündert wurde
Aus diesen Fakten rückwirkend einen "wirtschaftlich wertlosen Staat" zu konstruieren, ist ungefähr so seriös, wie ein Haus für wertlos zu erklären, weil die Tapete alt ist.
🚨 "PLEITESTAAT DDR"? KOMISCH, DASS DANN 40 JAHRE LANG ALLE PÜNKTLICH GELD BEKAMEN
Jetzt wird es besonders interessant: Denn wenn man vielen westdeutschen Erzählungen glaubt, müsste die DDR ja praktisch permanent kurz vor dem wirtschaftlichen Herzstillstand gestanden haben. Die Realität sah allerdings erstaunlich unspektakulär aus.
Die DDR konnte bis zu ihrem offiziellen Ende sämtliche Verbindlichkeiten bedienen. Löhne wurden gezahlt. Renten wurden gezahlt. Wohnungen blieben subventioniert. Energie blieb billig. Schulen, Verkehr und Gesundheitswesen funktionierten weiter. Und zwar nicht drei Monate lang. Nicht drei Jahre lang. Sondern vier Jahrzehnte. Kein einziger DDR-Bürger musste jemals erleben: "Diesen Monat kommt leider kein Gehalt mehr."
Genau das passierte hingegen mehrfach in den (Pleite-)USA – also ausgerechnet in dem Staat, der bis heute gern als Symbol maximaler wirtschaftlicher Stärke verkauft wird.
Dort kam es allein in den letzten Jahren mehrfach zu sogenannten Government Shutdowns. Übersetzt bedeutet das nichts anderes als: Der Staat bekommt seine Finanzierung politisch nicht geregelt, Behörden schließen und Hunderttausende Staatsangestellte werden unbezahlt nach Hause geschickt.
Der angebliche "Pleitestaat DDR“ jedoch zahlte über Jahrzehnte bis zu seinem letzten Tag pünktlich seine Löhne. Der angeblich stabilste Kapitalismus der Welt schafft es dagegen regelmäßig nicht einmal, seine eigenen Staatsangestellten durchgehend zu bezahlen.
Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass die DDR wirtschaftlich perfekt war. Aber zwischen "wirtschaftliche Herausforderungen haben“ und "pleite sein" liegt ein gewaltiger Unterschied.
💵 DAS "100-MARK-BEGRÜSSUNGSGELD" FUNKTIONIERTE EXAKT WIE DER STRAUSS-KREDIT
Auch das berühmte Begrüßungsgeld wird bis heute gern als westliche Großzügigkeit verkauft. Die Realität: Die berühmten 100 D-Mark flossen fast vollständig direkt zurück in westdeutsche Geschäfte, Kaufhäuser und Elektronikmärkte.
Auch das war im Kern ein gigantisches Konjunkturprogramm für die westdeutsche Wirtschaft. Kein Geschenkt für die Bürger der DDR.
Und damit funktionierte das Begrüßungsgeld im Prinzip genauso wie der Strauß-Kredit:
Westgeld mit direkter Rückfahrkarte.
🎭 DAS EIGENTLICH KOMISCHE AN DER GESCHICHTE
Der vielleicht größte Witz an der ganzen Geschichte bleibt folgender: Ausgerechnet Franz Josef Strauß – Antikommunist, CSU-Hardliner und erklärter Gegner der DDR – half mit, die wirtschaftlichen Beziehungen zur DDR zu stabilisieren.
Warum?
Weil selbst die westdeutsche Wirtschaft wusste, dass die DDR eben nicht irgendein zusammenfallender Fantasiestaat war, sondern ein bedeutender Industriestandort und Handelspartner mitten in Europa. Und weil Kapitalismus plötzlich erstaunlich pragmatisch wird, sobald Geld verdient wird. Selbst mit Sozialisten.
🧩 VIELE OFFENE FRAGEN
Bis heute ist nicht vollständig geklärt, welche Interessen hinter dem Strauß-Kredit tatsächlich standen. Offiziell ging es um wirtschaftliche Stabilisierung und innerdeutschen Handel. Doch schon damals wurde darüber spekuliert, ob weit mehr dahintersteckte als reine Staatsräson.
Denn Franz Josef Strauß galt zwar als scharfer Antikommunist, gleichzeitig aber auch als extrem pragmatischer Machtpolitiker. Ausgerechnet er vermittelte Milliardenkredite an jenen Staat, den seine politische Bewegung jahrzehntelang als Feindbild aufgebaut hatte.
Kritiker warfen deshalb früh die Frage auf: Wem nützte dieser Kredit wirklich?
Denn faktisch floss der erheblichste Teil der Gelder direkt zurück in die westdeutsche Wirtschaft. Banken, Industrieunternehmen und Exportfirmen profitierten massiv vom fortgesetzten Handel mit der DDR. Zusätzlich hielten sich über Jahre Gerüchte über persönliche Verflechtungen, Provisionszahlungen und wirtschaftliche Netzwerke rund um den Kredit. In einem Buch Wolfram Bickerichs über den CSU-Politiker Strauß heißt es, die Begegnung mit dem DDR-Unterhändler habe Strauß auch dazu genutzt, "Kontakt zu den Geschäftemachern in seiner Clique" zu vermitteln. Dort ist sogar die Rede von einer Provision von 8,75 Millionen Mark aus dem Kredit...
Biografen und Historiker beschrieben zudem eine weitere mögliche Strategie:
Strauß könnte überzeugt gewesen sein, dass kommunistische Staaten wirtschaftlich langfristig ohnehin nicht überlebensfähig seien — und dass kurzfristige Stabilisierung den späteren Zusammenbruch sogar beschleunigen könnte. Was immer auch zutreffen mag - Strauß erlebte das Ende der DDR nicht mehr. Er starb 1988.
🧱 FAZIT: DER MYTHOS VON DER "GERETTETEN DDR"
Nein, der Strauß-Kredit war keine romantische Rettungsmission für einen angeblich schon klinisch toten Staat.
Er war ein wirtschaftspolitisches Geschäft im Hauptinteresse BRD.
Die DDR hatte Devisenprobleme, strukturelle Schwächen und einzelnen Modernisierungsbedarf. Aber sie war zu keinem Zeitpunkt ein zusammenbrechender Trümmerstaat, der nur noch am Tropf eines bayerischen CSU-Politikers hing.
Die eigentliche Ironie:
Die BRD stabilisierte die DDR nicht aus Menschenliebe, sondern weil die westdeutsche Wirtschaft massiv von der DDR profitierte. Und genau deshalb hält sich der Mythos bis heute so hartnäckig: Weil man aus einer komplizierten ökonomischen Realität lieber eine einfache Siegergeschichte gemacht hat.
Die Wahrheit ist eben mal wieder deutlich weniger hollywoodreif.
Aber dafür – zumindest für offene Geister – deutlich interessanter.
13 Kommentare
Hallo DDR-Freunde!
Nach der Wende habe ich mal einen Zeitungsartikel gelesen, von einer SPD-Politikerin. Darin sagte sie, dass die BRD der DDR über 600 Milliarden D-Mark schuldet, für Reparationsleistungen die die DDR an die Sowjetunion gezahlt hatte. Die BRD natürlich nicht. Leider habe ich den Artikel nicht aufgehoben. Stimmt aber. Stalin hatte das von den Alliierten gefordert. Die hatten aber abgelehnt. Dann wäre die BRD garantiert pleite gewesen. Das gibt heute natürlich keiner mehr zu.
Der Strauss-Kredit wurde auch u.a. dazu verwendet VW-Motoren zu kaufen, um sie in die Trabbis und Wartburgs einzubauen, damit sie dann endlich Viertakter haben. Die Fahrzeuge mussten komplett umgebaut werden, was die DDR wohl 2 Milliarden Mark gekostet hat. Was für ein Wahnsinn – aber politisch gewollt weil von Strauss erpresst. Die Wartburg-Motorenbauer hätten 90 % der alten Motoren verwenden können für einen eigenen neuen Viertakter. Das war aber politisch nicht gewollt und wäre wesentlich preiswerter gewesen.
Friedrich Rohwedder hatte, von Kohl beauftragt, u.a. ausgerechnet wieviel die DDR Wirtschaft wert ist. Es war ein Betrag von über 600 Milliarden D-Mark. Nachdem die “Treuhand” (eher Schleuderhand) alles verramscht hatte blieb ein Minusbetrag übrich? Das stinkt doch zum Himmel! Bis heute.
Leider haben sich damals etliche Ossis von Kohl und der D-Mark bequatschen lassen. Das Ergebnis sehen wir heute.
Selbst die Vorreiter der Wende “Demokratischer Aufbruch”, “Bündnis 90” etc. wollten die DDR als Staat beibehalten. Daraus ist dann nichts mehr geworden und jetzt haben wir den Salat.
In diesem Sinne – bleibt standhaft.
Starke Indizien und kontextbezogene Beweise zeigen, dass die Mittel den Kauf westlicher (stark BRD-Ursprungs) Güter und Technologien in der DDR ermöglichten und finanzierten, was bedeutet, dass die DM größtenteils in die westdeutsche Wirtschaft zurückfloss. Der Kredit für die DDR wurde eingefädelt um der DDR Käufe wie Airbus-Flugzeuge und MAN (Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg) Fahrzeuge / Maschinen von westdeutschen Firmen zu ermöglichen.
Heutzutage braucht man nur der westdeutschen Bevölkerung zuhören da weiß man das sie alles glauben was die Tagesschau berichtet .
Geld wird von den Staaten nur als Krdit vergeben, damit es wieder die eigene Wirtschaft ankurbekt. Hier der historische “Straußkredit”, die Hypovereinsbankrettung, Die Fahrradstreiven in Südamerika. Es sollte keine glauben, der deutsche Staat verschnekt etwas.
Der Griechenlandkredit diente nur zum Zahlen der Schulden an die Deutsche Bank Nix da von wegen wir Gutmenschen.
Zur ,,Übergabe" des Geldes, fuhr der Herr Strauß noch kurz in Naumburg/ Saale vorbei. Er wollte die berühmten Stifterfiguren im Dom anschauen.