Ende November 1989, in einer Phase maximaler Unsicherheit, erscheint ein Aufruf, der heute gezielt ungenannt bleibt: "Für unser Land".
"FÜR UNSER LAND" – ALS ÜBER EINE MILLION DDR-BÜRGER SAGTEN: SO NICHT!
Die Welt ändert sich 1989 im rasenden Tempo, auch für die Bürger der DDR. Während westliche Politik und BRD-Medien zu diesem Zeitpunkt den Kurs längst vorgeben – schnelle Einheit, schnelle Eingliederung der DDR – formuliert dieser Text das Gegenteil:
Kein Anschluss an die BRD im Eilverfahren. Kein Aufgehen in der BRD. Sondern ein eigener Weg, eine erneuerte, demokratische DDR.
Entscheidend ist nicht nur der Inhalt. Entscheidend ist die Wucht der Reaktion. Dieser Aufruf war nur wenige Wochen im Umlauf. Keine jahrelange Kampagne, kein aufgebauter Apparat. Und trotzdem unterschrieben innerhalb von knapp zwei Monaten rund 1,17 Millionen Menschen der DDR.
Das ist die eigentliche Nachricht.
In einem Land mit etwa 16 Millionen Einwohnern bedeutet das: Ein erheblicher Teil der Bevölkerung stellt sich sichtbar, namentlich und öffentlich gegen den Kurs der Eingliederung. Keine diffuse Stimmung. Kein Gerücht. Sondern eine dokumentierte Gegenbewegung. Über eine Million Menschen sagen: So nicht.
💥 DER MYTHOS VON DER „EINHEITS-EUPHORIE“
Bis heute wird behauptet, die DDR-Bevölkerung habe geschlossen die Wiedervereinigung gewollt. Eine einfache, saubere Geschichte fürs Geschichtsbuch. Nur: Sie ist (wie so vieles im Kontext DDR): Quatsch.
Auch der hier beschriebene Aufruf "Für unser Land“ ist der direkte Gegenbeweis. Dieser Aufruf steht für all jene, die ihr Land nicht abschaffen, sondern verändern wollten. Reform statt Abwicklung. Eigenständigkeit statt Übernahme.
Hier ging es nicht um das Festhalten am Alten. Tatsächlich war die Kritik am politischen System im Aufruf klar und offen. Gefordert wurden mehr Demokratie, Mitsprache, Erneuerung.
Aber auf eigener Grundlage – nicht als politischer und wirtschaftlicher Import aus der BRD. Und genau hier lag der Konflikt.
📜 WAS IM AUFRUF STAND – IM ORIGINALTON
Der Text von "Für unser Land" ist in seiner Klarheit bemerkenswert – und genau deshalb heute so selten präsent. Er formuliert keinen vagen Wunsch, sondern einen klaren Anspruch:
Die Zukunft der DDR sollte in den Händen ihrer eigenen Bevölkerung bleiben.
Im Zentrum steht ein Satz, der alles bündelt:
"Wir bleiben in unserem Land und wollen es erneuern."
Das ist keine defensive Haltung. Kein Rückzug. Kein "Weiter so". Das ist eine bewusste Entscheidung gegen Aufgabe und für Verantwortung. Dieser Satz sagt unmissverständlich: Dieses Land gehört uns – und wir sind bereit, es zu verändern. Direkt daran anschließend formuliert der Aufruf eine Perspektive, die heute fast vollständig aus der öffentlichen Debatte verschwunden ist:
"Noch haben wir die Chance, eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln."
Hier wird der eigentliche Konflikt sichtbar. Es geht nicht nur um ein Nein zur Eingliederung der DDR in die BRD, sondern um ein Ja zu einem eigenen Modell. Ein Modell, das sich bewusst vom westdeutschen System unterscheidet – sozial orientiert, demokratisch reformiert, eigenständig organisiert, das eben all die Errungenschaften der DDR bewahrt: von der Friedenspolitik bis hin zum Sozialsystem.
Und gleichzeitig enthält der Text eine Warnung, die rückblickend fast wie eine präzise Vorwegnahme der folgenden Entwicklung wirkt. Sinngemäß wird deutlich gemacht, dass mit einer schnellen Eingliederung nicht nur staatliche Strukturen verschwinden würden, sondern:
"...die Gefahr besteht, dass wirtschaftliche Substanz, gesellschaftliche Errungenschaften und moralische Grundlagen preisgegeben werden."
Gerade der letzte Satz wirkt wie eine düstere (und später wahr gewordene) Prophezeiung.
Das ist keine Ideologie. Das ist eine nüchterne Analyse der Kräfteverhältnisse. Ein wirtschaftlich schwächerer Staat im Umbruch – konfrontiert mit einer dominanten Bundesrepublik. Wer hier von "Vereinigung" spricht, ohne diese Asymmetrie zu benennen, blendet genau das aus, worauf der Aufruf hinweist.
Der Text verbindet damit drei Ebenen gleichzeitig: eine klare Absage an den schnellen Anschluss, den Anspruch auf demokratische Erneuerung der DDR und die Warnung vor einem umfassenden Verlust an Kontrolle, Substanz und Identität. Und genau diese Kombination macht ihn bis heute so unbequem.
Gleichzeitig ist entscheidend: Die Unterzeichner stellten sich nicht hinter die SED, sondern kamen aus der kritischen, intellektuellen Mitte der DDR. Keine Funktionäre. Keine Profiteure. Sondern kluge, mutige Menschen. Gerade deshalb wiegt dieser Aufruf so schwer.
Abbildung: Christa Wolf (geb. Ihlenfeld; * 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe; † 1. Dezember 2011 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie zählte zu den bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR und wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis. Ihr Werk wurde in viele Sprachen übersetzt.
Sie war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin (West), Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Paris und Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Wolf unternahm viele Lesereisen, unter anderem nach Schweden, Finnland, Frankreich und in die USA, wo sie u.a. das Ehrendoktorat der Ohio State University erhielt.
Es gab drei Textentwürfe von "Für unser Land". Von Dieter Klein, Günter Krusche und Konrad Weiß. Am 25.11.1989 gab es ein Treffen im Robert-Koch-Hörsaal der Charité in Berlin. Dort wurde sich auf einen Entwurf geeinigt. Einen Tag später, in Christa Wolfs Wohnung, entstand die Endfassung. Von ihr stammte die Entweder Oder Gegenüberstellung.

Abbildung: Christa Wolf in ihrer Wohnung in Berlin-Pankow, 2010
📊 ZAHLEN, DIE NICHT INS NARRATIV PASSEN
Fakt ist: Im Gegensatz zu anderen Bevölkerungen fand in der DDR niemals eine Volksabstimmung statt, die über den Beitritt zur BRD entscheiden sollte. Kein DDR-Bürger wurde jemals gefragt, ob er Bürger eines anderen – in vielen Beziehungen gegensätzlichen – Staates werden wolle. Ob er seine (politische und gesellschaftliche) Heimat aufgeben wolle.
Tatsächlich beruht die Legitimation der deutschen Vereinigung (oder – je nach Lesart – der Annexion der DDR durch die BRD) auf den Ergebnissen der letzten Volkskammerwahl der DDR. Die offizielle Lesart macht uns hier klar, dass das Wahlprogramm der aus dieser letzten DDR-Wahl als Siegerin hervorgegangenen CDU ja ohnehin auf der deutschen Wiedervereinigung basierte – die diese dann auch umgehend und im Auftrag ihrer großen westdeutschen Schwester in die Wege leitete.
Ein souveräner Staat erlebte, wie ein anderer Staat völkerrechtswidrig seinen "demokratischen" Wahlkampf kaperte, organisierte, personell durchdrang und medial dominierte. Millionen D-Mark, zehntausende Wahlkampfhelfer, eine nie zuvor gesehene Materialschlacht und eine massive mediale Übermacht entschieden den politischen Ausgang eines historischen Moments.
Das ist keine Verschwörungstheorie. Es ist dokumentierte Geschichte.
Heute sprechen westliche Eliten beinahe täglich über angebliche Wahleinmischungen: Russland hier, Social-Media-Posts dort, ausländische Einflussnahme überall. Ganze Sicherheitsapparate beschäftigen sich mit der Suche nach solchen Manipulationen. Doch ausgerechnet das wohl größte und am besten belegte Beispiel politischer Einflussnahme auf deutschem Boden wird bis heute kaum diskutiert.
Dabei ist der historische Befund bemerkenswert klar: Der vereinte deutsche Staat, so wie er heute existiert, entstand nicht aus einer innerdeutschen demokratischen Entscheidung. Er entstand vor allen Dingen unter den Bedingungen einer "Wahl", die massiv von außen beeinflusst, finanziert und gesteuert wurde.
Zehntausende westdeutsche CDU-Mitglieder der BRD wurden 1990 in die DDR entsandt, sie leiteten dort in jedem Wahlkreis den Wahlkampf. Erfahrene Wahlkämpfer, Organisationsprofis, Strategen. Die Zahlen sind unbequem, aber eindeutig. Der Wahlkampf der OST-CDU wurde mit mehreren Millionen D-Mark aus der BRD finanziert. Seriöse Schätzungen liegen bei mindestens sechs bis zehn Millionen D-Mark, einige zeitgenössische Quellen gehen darüber hinaus. Besonders pikant ist die Herkunft der Gelder. Teile stammten aus nicht ordnungsgemäß deklarierten CDU-Mitteln, später eingebettet in die bekannte CDU-Spendenaffäre. Transparenz gab es nicht. Kontrolle durch DDR-Behörden faktisch ebenso wenig.
Die historischen Fakten sind deswegen so wichtig, um zu zeigen, wie das Wahlergebnis dieser letzten angeblich demokratischen Wahl in der DDR zustande kam, das als demokratische Legitimation für die Wiedervereinigung herhalten musste und bis heute muss. Demgegenüber steht der "Aufruf für unser Land". Und der Unterschied ist entscheidend:
Diese Stimmen für die OST-CDU entstanden 1990 unter massivem Einfluss aus der BRD – finanziell, medial, politisch. Die Unterschriften unter "Für unser Land" dagegen entstanden ohne Kampagnenapparat, ohne Westgeld, ohne strukturelle Unterstützung. Innerhalb weniger Wochen. Das ist politisch außergewöhnlich.
📈 DIE (WAHRSCHEINLICH) GRÖSSTE UNTERSCHRIFTENAKTIONEN DER DEUTSCHEN GESCHICHTE
Auch im Vergleich wird die Größe deutlich. Selbst große Kampagnen in der BRD erreichen meist einige hunderttausend Unterstützer. In seltenen Fällen knapp über eine Million – dann aber über lange Zeiträume und mit erheblicher Infrastruktur.
Hier sprechen wir von über einer Million Menschen aus der DDR, die in wenigen Wochen diesen Aufruf unterzeichneten. Ohne Apparat. Ohne Kampagne. In einem Staat im Umbruch.
Und es ging nicht um ein Einzelthema. Es ging um die Existenz eines Staates.
Abbildung: Eine der Erstunterzeichnerinnen des Aufrufs "Für Unser Land". Tamara Danz, Rocksängerin (u.a. "Silly")
🧠 WER DA UNTERSCHRIEB – UND DEN MUT HATTE
Initiiert wurde der Aufruf nicht von Funktionären, sondern von zentralen Stimmen der DDR-Kultur und Intelligenz. Darunter als Erstunterzeichner:
- Christa Wolf
- Stefan Heym
- Heiner Müller
- Volker Braun
- Christoph Hein.
Das waren keine Randfiguren. Das waren prägende Köpfe der DDR. Viele davon kritisch gegenüber dem System – aber fest verankert in der Idee, dass dieses Land eine eigene Zukunft haben sollte.
Gerade das gibt dem Aufruf bis heute Gewicht. Hier sprachen keine Apparatschiks. Hier sprachen Menschen, die denken, schreiben, analysieren – und die sich bewusst gegen die politische Richtung stellen, die von außen vorgegeben wird.
📡 MOBILISIERUNG OHNE INTERNET, OHNE SOCIAL MEDIA, OHNE TELEFON
Oft wird heute ein grundlegender Fehler gemacht: Man misst 1989 mit den Maßstäben von heute. Das verzerrt alles. Denn die Realität 1989 sah in der DDR so aus:
- Kein Internet
- Keine sozialen Netzwerke
- Keine E-Mails
- Keine Messenger
- Kaum (zumeist keine!) Telefone
- Keine freie (oder gar "alternative") Presse
Diese Bewegung entstand analog. Durch Gespräche, durch Weitergabe, durch persönliche Überzeugung. Und trotzdem: über 1,17 Millionen Unterschriften in wenigen Wochen.
Das ist keine Kleinigkeit. Das ist politisches Gewicht.
Abbildung: Stefan Heym, Erstunterzeichner des Aufrufs. Stefan Heym war einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR – Jude, Antifaschist, Emigrant, der vor den Nazis in die USA floh und später bewusst in die DDR zurückkehrte. Er war kein Systemling, sondern ein scharfer Kritiker der SED. Gerade deshalb wiegt seine Rolle beim Aufruf „Für unser Land“ so schwer: ein Oppositioneller, der nicht den Anschluss wollte, sondern einen eigenen, reformierten sozialistischen Weg.
⚖️ KEINE ABSTIMMUNG – ABER EIN ERGEBNIS
Der zentrale Punkt bleibt: Es gab keine Volksabstimmung über die Frage, ob die DDR der BRD beitreten soll.
Keine direkte Entscheidung. Kein klares Ja oder Nein.
Stattdessen wird bis heute die Volkskammerwahl von 1990 als Ersatz herangezogen. Eine Wahl unter Bedingungen, die alles andere als neutral waren: massiver Einfluss aus der BRD, wirtschaftlicher Druck, mediale Dominanz. Und dieses Ergebnis wird rückwirkend zur Legitimation erklärt.
Die über eine Million Stimmen aus "Für unser Land": spielen in dieser Erzählung keine Rolle.
📊 UMFRAGE ENDE 1989: 72 % WOLLTEN DIE DDR BEHALTEN – NICHT ABSCHAFFEN
Wem über Eine Million DDR-Bürger, die diesen Aufruf namentlich unterschrieben, noch nicht genug sind, dem sei folgender Fakt nahegebracht (der in der heutigen Geschichtsschreibung ebenso wenig Bachtung findet):
Ende 1989 zeigt eine repräsentative, große Umfrage ein klares Bild: Erhoben wurde sie vom Zentralinstitut für Jugendforschung (ZIJ) in Leipzig, einem staatlichen sozialwissenschaftlichen Institut der DDR, auf Basis landesweiter, repräsentativer Stichproben im November und Dezember 1989 – also direkt nach der Maueröffnung. Das Ergebnis ist eindeutig:
72 % der DDR-Bevölkerung wollten keinen Anschluss an die BRD, sondern den Erhalt einer eigenen, souveränen DDR – reformiert, aber selbstbestimmt. Dem gegenüber standen nur etwa 20–25 %, die eine schnelle Vereinigung befürworteten.
Wichtig ist dabei auch die Fragestellung: Es ging nicht um ein simples Ja oder Nein zur Einheit, sondern um konkrete Zukunftsmodelle – darunter eine eigenständige DDR, eine schrittweise Annäherung oder eine schnelle Vereinigung. Die klare Mehrheit entschied sich für den Weg der Eigenständigkeit. Das ist keine Randnotiz, sondern ein belastbares Stimmungsbild im entscheidenden Moment der Geschichte.
Und wer diese Umfrage nun bezweifeln will, der überzeugt dann wohl eine Spiegel-Umfrage von Anfang 1990 mit dem identischen Ergebnis...
Die Antwort ist nüchtern: eine massive, politisch gesteuerte Einflussnahme.
Getragen vor allem von Akteuren aus der BRD – insbesondere CDU-nahe Strukturen und Organisationen wie die Konrad-Adenauer-Stiftung – lief eine breit angelegte Kampagne, die gezielt auf Konsumversprechen, D-Mark und schnelle Wohlstandsgewinne setzte. Parallel dazu wirkte eine mediale Übermacht, die über Monate hinweg ein einseitiges Bild transportierte und Erwartungen schürte, auf die viele Menschen in dieser Form weder vorbereitet noch medienerfahren waren.
Wir haben übrigens genau das hier im Detail aufgearbeitet:
👉 Manipulation & Millionen: Wie die BRD die letzte DDR-Wahl 1990 lenkte
🧨 FAZIT: EINE MILLION STIMMEN, DIE NICHT ZÄHLEN DURFTEN
"Für unser Land" ist kein nostalgisches Dokument. Es ist ein klarer, quantifizierbarer Gegenbeweis. Diese Zahlen des Aufrufs zeigen: Ein erheblicher Teil der DDR-Bevölkerung wollte keinen Anschluss um jeden Preis.
Sondern ein eigenes Land. Reformiert. Erneuert. Selbstbestimmt.
Und genau diese Option wurde innerhalb weniger Monate überrollt.
Originaltext Aufruf "Für unser Land"
Für unser Land
Unser Land steckt in einer tiefen Krise. Wie wir bisher gelebt haben, können und wollen wir nicht mehr leben. Die Führung einer Partei hatte sich die Herrschaft über das Volk und seine Vertretungen angemaßt, vom Stalinismus geprägte Strukturen hatten alle Lebensbereiche durchdrungen. Gewaltfrei, durch Massendemonstrationen hat das Volk den Prozess der revolutionären Erneuerung erzwungen, der sich in atemberaubender Geschwindigkeit vollzieht. Uns bleibt nur wenig Zeit, auf die verschiedenen Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, die sich als Auswege aus der Krise anbieten.
Entweder
können wir auf der Eigenständigkeit der DDR bestehen und versuchen, mit allen unseren Kräften und in Zusammenarbeit mit denjenigen Staaten und Interessengruppen, die dazu bereit sind, in unserem Land eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, in der Frieden und soziale Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen, Freizügigkeit aller und die Bewahrung der Umwelt gewährleistet sind.
Oder
wir müssen dulden, dass, veranlasst durch starke ökonomische Zwänge und durch unzumutbare Bedingungen, an die einflussreiche Kreise aus Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik ihre Hilfe für die DDR knüpfen, ein Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte beginnt und über kurz oder lang die Deutsche Demokratische Republik durch die Bundesrepublik vereinnahmt wird.
Lasst uns den ersten Weg gehen. Noch haben wir die Chance, in gleichberechtigter Nachbarschaft zu allen Staaten Europas eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln. Noch können wir uns besinnen auf die antifaschistischen und humanistischen Ideale, von denen wir einst ausgegangen sind. Alle Bürgerinnen und Bürger, die unsere Hoffnung und unsere Sorge teilen, rufen wir auf, sich diesem Appell durch ihre Unterschrift anzuschließen.
Berlin, den 26. November 1989
34 Kommentare
Damals im Jugendlichen Wahnsinn ging es mir wie so vielen nicht schnell genug ! Was sich Jahrzehnte später als Grundlegend falsch darstellte für mich ! …
Ja, so hätte es kommen können. Aber ein zurück wird es wohl nicht geben. Das Tafelsilber wurde verscherbelt und verschwand längst in dunklen Kanälen oder hat die Superreichen noch reicher gemacht. Und unblutig wie 1989 könnten wir das Land auch nicht zurück holen. Hab vorhin beim Spaziergang so überlegt, da fiel mir das Lied vom Volkspolizisten ein…Der Volkspolizist, der es gut mit mir meint, er bringt mich nach Hause, er ist unser Freund. Was haben wir heute? Schwarz gekleidete bis an die Zähne bewaffnete Büttel, die ohne zu zögern aufs eigene Volk einprügeln.
Ich habe von dieser Aktion zwar nichts mitbekommen, aber es tröstet mich daß auch viele Bürger lieber einen anderen Weg gegangen wären. Wir wurden nicht gefragt ob wir Bundesbürger werden wollen……ich wollte es nicht. 10 Jahre haben wir in der Schule aufgezeigt bekommen, was es bedeutet im Kapitalismus zu leben. Auch wenn wir manchmal die Augen verdreht haben…..es traf alles ein und wir haben nichts dazu gelernt….anscheinend.
SO und nur so wäre es richtig gewesen 👍
❤ Ich möchte so gerne nach Hause.