Wer den Osten heute verstehen will, muss die Vergangenheit sachlich und möglichst unvoreingenommen beleuchten. Die DDR war kein Paradies, aber sie bot Millionen Menschen einen Grad von sozialer Sicherheit, der in der BRD nie erreicht wurde. Mit der Wende wurden nicht nur Betriebe, Strukturen und Existenzen zerstört, sondern auch Errungenschaften, die im Alltag selbstverständlich waren: sichere Arbeit, bezahlbares Wohnen, kostenlose Gesundheitsversorgung, verlässliche Kinderbetreuung, Kultur für alle.
Ja, die Wiedervereinigung brachte gewisse Freiheiten und auch Konsum, sie stürzte jedoch auch ein Drittel aller ostdeutschen Werktätigen in die langjährige Arbeitslosigkeit, oft bis ans Ende ihres Arbeitslebens. Was nützte da die theoretische Möglichkeit des Sommerurlaubs im heißen Süden, die große Auswahl neuer Autos, Südfrüchte oder 30 Sorten Schokolade in neuen, bunten Einkaufsparadiesen?
Fakt ist: Die (sogenannten) "Wende" raubte DDR-Bürgern zugleich auch ein soziales Fundament, das innerhalb von nur zwei, drei Jahrzehnten nahezu vollständig eliminiert wurde. Viele der ehemaligen DDR-Bürger vermissen bis heute genau das – Dinge, die man im Westen jahrzehntelang versäumte, verspottete oder bewusst ignorierte.
Wer also verstehen will, warum die Ostdeutschen bis heute anders ticken, warum Nostalgie nicht nur ein Gefühl, sondern auch eine gesellschaftliche Erinnerung ist, muss die nüchterne Wahrheit anerkennen: In vielen Bereichen war die DDR der BRD voraus.
Abbildung: Eine hochqualifizierte DDR-Chemiearbeiterin (Anfang der 1980er Jahre)
👩🦰 Emanzipation & Frauenrechte
👉 So war es in der DDR: Die DDR gehörte weltweit zu den Vorreitern der Frauenemanzipation. Bereits 1949 stellte die DDR Frauen und Männer in allen Lebensbereichen vollständig gleich:
"Mann und Frau sind gleichberechtigt.“ (Artikel 7, Verfassung der DDR von 1949)
Damit besaßen Frauen von Beginn an das Recht auf Arbeit, auf gleichen Lohn sowie Zugang zu allen Bildungswegen. Das machte sie selbstbewusst und selbständig. Tatsächlich kennen viele DDR-Bürger das Wort "Emanzipation" aus ihrer Kindheit und Jugend in der DDR gar nicht, nicht ohne Grund.
Die Folge war eine beispiellose Integration von Frauen in die Arbeitswelt: 1989 waren rund 91 % aller Frauen der DDR im erwerbsfähigen Alter berufstätig – ein Spitzenwert, der bis heute in Deutschland (und auch keinem anderen Land) nicht wieder erreicht wurde. Zum Vergleich: In der BRD lag die Erwerbsquote westdeutscher Frauen 1989 bei 55 %. Frauen stellten in der DDR fast die Hälfte aller Beschäftigten in Industrie, Verwaltung und Bildung und waren sogar weit überproportional vertreten in technischen Berufen sowie im Gesundheitswesen.
Abbildung: Frauen bei Simson in Suhl (Ende der 1980er)
Die wirtschaftliche Unabhängigkeit war real: Frauen verfügten über eigenes Einkommen, Rentenansprüche und soziale Absicherung. Zusätzlich schuf die DDR mit dem "Babyjahr" (ab 1976: ein Jahr zu 100% bezahlte Freistellung nach der Geburt), flächendeckenden Kitas, Krippen und Horten sowie Ganztagsschulen eine Grundlage, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sichern – und das jahrzehntelang vor der BRD.
👉 So war es in der BRD: Im Westen blieb die Realität weit zurück: Trotz grundgesetzlicher Gleichberechtigung änderte sich die gesellschaftliche und rechtliche Stellung der Frau über Jahrzehnte nicht. In der BRD galt bis 1977 sogar die sogenannte "Hausfrauenehe" (§ 1356 BGB): Frauen durften nur mit Zustimmung des Ehemanns berufstätig sein. Damit lebten Millionen westdeutscher Frauen in rechtlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit.
Erst in den 1980er Jahren begann die BRD zaghaft mit Reformen – Elternzeit wurde 1986 eingeführt, Kinderbetreuung blieb rar und teuer, und die Erwerbsquote westdeutscher Frauen blieb deutlich niedriger als im Osten. Noch heute zeigt sich der Unterschied: Der Anteil vollzeitbeschäftigter Frauen ist in den neuen Bundesländern höher, weil er in der DDR gesellschaftliche Normalität war.
Arbeit bedeutet nicht nur Einkommen, sondern vor allem Unabhängigkeit – wer arbeitet, ist nicht auf die Gunst anderer angewiesen. Sie schafft gesellschaftliche Teilhabe, weil man aktiv am öffentlichen Leben beteiligt ist und Anerkennung erfährt. Arbeit gibt dem Menschen Würde und Selbstbewusstsein, weil er nicht Objekt von Fürsorge, sondern Subjekt des eigenen Handelns ist. Gerade für Frauen war Arbeit der Schlüssel, aus der Rolle der "Hausfrau" herauszutreten und echte Gleichstellung zu leben.
Abbildung: Ausbildung zu Facharbeiterinnen im Fernmeldewesen (1980er Jahre)
🏭 Arbeit & Alltag
👉 So war es in der DDR: Arbeit war nicht nur ein Grundrecht, sondern auch eine Pflicht und zugleich ein zentraler Wert. Vollbeschäftigung war garantiert – Arbeitslosigkeit existierte offiziell nicht. Jeder Bürger, ob Facharbeiter, Ingenieur oder Hilfskraft, hatte einen festen Arbeitsplatz. Frauen erhielten nach der Geburt eines Kindes ab 1976 das genannte "Babyjahr", ein Jahr zu 100 % bezahlte Freistellung. Darüber hinaus gab es Mutterschutzfristen, Kündigungsschutz und spezielle Arbeitszeitregelungen für Mütter mit kleinen Kindern.
Die Preise für Mieten, Energie und Grundnahrungsmittel waren über Jahrzehnte stabil und lagen auf einem Niveau, das jedem Haushalt Sicherheit bot. Miete betrug durchschnittlich nur 5–7 % des Einkommens – ein Wert, der heute (bis zu 50% oder mehr) unvorstellbar ist. Lebensmittel wie Brot, Milch, Butter oder Fleisch wurden staatlich subventioniert, Hunger kannte niemand in der DDR.
Auch der Alltag war stark vom betrieblichen Umfeld geprägt: Viele Betriebe boten Betriebskantinen, Ferienplätze für Mitarbeiter, Kulturveranstaltungen oder Sportgruppen. Arbeit war nicht nur Broterwerb, sondern auch gesellschaftlicher Rahmen und Teilhabe.
👉 So war es in der BRD: Der westdeutsche Arbeitsmarkt war von Unsicherheit geprägt. Arbeitslosigkeit existierte seit den 1950er Jahren und wuchs besonders in den 1970er und 80er Jahren mit den Ölkrisen deutlich an. Menschen, die ihre Arbeit verloren, waren oft langfristig aus der Bahn geworfen – soziale Sicherheit war ungleich verteilt. Frauen mussten sich häufig zwischen Familie und Beruf entscheiden, da es weder ausreichende Kinderbetreuung noch rechtliche Absicherung gab. Erst 1986 wurde ein vergleichbares Elternzeitmodell eingeführt, während in der DDR längst flächendeckend Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesichert war.
Auch bei den Lebenshaltungskosten zeigten sich Unterschiede: Mieten und Energiepreise stiegen unkontrolliert, abhängig vom Markt. Das Wesen des Kapitalismus zeigte sich in enorm schwankenden Lebenshaltungskosten. Wer in den Städten keine teure Wohnung bezahlen konnte, fiel zurück oder musste in schlechtere Wohnlagen ziehen. Das westdeutsche Modell bedeutete zwar Konsumvielfalt im Schaufenster, gleichzeitig aber auch existenzielle Unsicherheit, die viele DDR-Bürger erst nach der Wende kennenlernen mussten.
Abbildung: Dresden in den 1980ern. In der DDR gab es weder "No-Go-Areas", noch fühlten sich Bürger an öffentlichen Plätzen unsicher. Im Gegenteil: Ein großer Teil des sozialen Lebens fand draußen statt.
👶 Kinder & Familienförderung
👉 So war es in der DDR: Massive staatliche Unterstützung für Familien: Von Kinderschuhen, Kinderwagen bis zu Schulbüchern, Heften und Ferienlagern war vieles entweder stark subventioniert oder kostenlos. Schulessen ("Schulspeisung") war günstig, für kinderreiche Familien sogar gratis. Medizinische Versorgung für Kinder war ebenfalls vollständig gratis. Der Berufseinstieg blieb auch nach Elternschaft offen, da Kindergarten, Kinderkombination, Krippe und Hort flächendeckend verfügbar waren.
👉 So war es in der BRD: Familien mussten alle Kosten für Kinder selbst tragen. Betreuung war teuer und selten. Schulessen meist nicht vorhanden oder unbezahlbar. Kindern war Bildung, Freizeit und Betreuung stark vom Einkommen der Eltern abhängig.
Abbildung: Immer und DDR-weit gut behütet! Danke flächendeckender Kindergärten, Kindergrippen und Kinderkombinationen.
📚 Alphabetisierung & Bildungschancen
👉 So war es in der DDR: Die DDR erreichte eine vollständige Alphabetisierung – Analphabetismus war praktisch unbekannt. Nie wieder zuvor und auch nie wieder danach gab es in einem deutschen Staat 0 % Analphabeten. Schulpflicht und die enge Betreuung durch Lehrer und Betriebe sorgten dafür, dass es kaum Schulabbrecher gab. Wer Probleme hatte, erhielt Gratis-Förderunterricht oder praktische Ausbildungsmöglichkeiten.
Besonders stark war die Förderung des "zweiten Bildungswegs": Abendschulen, staatliche Volkshochschulen und Fernstudiengänge ermöglichten Erwachsenen, neben Beruf und Familie einen höheren Abschluss oder sogar ein Hochschulstudium zu erlangen. Damit war Bildung ein lebenslanger Prozess und nicht an die Jugendjahre gebunden.
Ein weiterer Schwerpunkt war die soziale Öffnung der Hochschulen: Der Anteil von Arbeiter- und Bauernkindern an Universitäten und Fachschulen lag deutlich höher als in der BRD. Viele junge Menschen, die im Westen kaum eine Chance auf eine akademische Laufbahn gehabt hätten, konnten im Osten studieren – unterstützt durch Stipendien, Wohnheime und eine Studienplatzgarantie ohne Studiengebühren.
👉 So war es in der BRD: Der Zugang zu Bildung und Hochschulen hing stark vom Elternhaus ab. Akademische Laufbahnen waren überwiegend der Mittel- und Oberschicht vorbehalten. Arbeiter- und Bauernkinder waren an Universitäten massiv unterrepräsentiert, da Studiengebühren, Lebenshaltungskosten und fehlende staatliche Unterstützung abschreckend wirkten.
Die Hauptschule führte (und führt) viele Jugendliche in eine Sackgasse – ohne echte Aufstiegschancen, mit hoher Abbrecherquote. Weiterbildungsmöglichkeiten existierten, aber meist privat organisiert und kostenpflichtig. Ein "zweiter Bildungsweg" wie in der DDR, der systematisch gefördert und staatlich getragen wurde, existierte nicht in dieser Breite.
Abbildung: ABC-Schützen in Lübben-Nord
🏘️ Wohnen & Stadtplanung
👉 So war es in der DDR: Ab 1970 wurden Millionen Neubauwohnungen mit Bad, Heizung und Warmwasser geschaffen. Mieten lagen bei ca. 7% des Einkommens. Niemals zuvor und niemals wieder danach hat ein Staat so viele Millionen Wohnungen im eigenen Besitz gehabt und diese zu absoluten Niedrigpreisen seinen Bürgern zur Verfügung gestellt. Wohnen war ein Grundrecht und kein Spekulationsobjekt. In der DDR gab es keine Obdachlosen. Wohnungslosigkeit galt als mit der sozialistischen Verfassung unvereinbar (Recht auf Arbeit und Recht auf Wohnung). Selbst wer "schwierig" war, bekam eine Unterkunft – notfalls eine zugewiesene staatliche Wohnung oder ein Heimplatz. Obdachlosigkeit war in der DDR unbekannt.
👉 So war es in der BRD: Wohnungsknappheit und Mietpreissteigerungen waren allgegenwärtig. Neubauten priorisierten Eigentum – soziale Vermietung war selten. Obdachlosigkeit stieg, besonders in Städten. Nach der Wende wurden große Teile des DDR-Wohnungsbestands zu Dumpingpreisen an private Konzerne verschleudert. Diese machten enorme Gewinne, während die öffentliche Hand später oft gezwungen war, dieselben Wohnungen für das Zehnfache oder mehr zurückzukaufen. Diese Fehlentscheidungen lasten bis heute schwer auf den kommunalen Finanzen – und führten dazu, dass Wohnen wieder zum Luxusgut wurde. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) gab es 1989 rund 600.000 Wohnungslose in Westdeutschland.
Abbildung: Kaum ein DDR-Bürger, der nicht irgendwann mal in Plattenbauten wohnte - damals korrekterweise "NEUBAU" genannt. Die Umgebung dieser Häuser, die kleinen Parzellen davor, drumherum und in naher Entfernung waren unfassbar bunt. Hier blühte alles in buntesten Farben. Auch weil die Bewohner das oft als "ihr" Beet auffassten. Sicher auch, weil dann irgendwann ein quasi Wettstreit entstand. Tatsächlich wurden Häuser, bzw. Mehrparteien-Eingänge in den (sogenannten) "Neubauten", auch ausgezeichnet - z.B. wenn deren Bewohner ihre Umgebung wirklich gut gepflegt, sauber und schön gestaltet hatten. Man packte zusammen an: Ob beim Spielplatz für die zahlreichen Kinder aller Familien, beim Bäume pflanzen - oder beim Anlegen von Blumenbeeten.
⚖️ Sicherheit & Kriminalität
👉 So war es in der DDR: Ein Thema, das aktueller nicht sein könnte. Fakt ist: Die DDR war eines der sichersten Länder Europas. Gewaltkriminalität, Bandenwesen oder organisierte Kriminalität existierten faktisch nicht. Morde, Raubüberfälle oder schwere Sexualdelikte waren extrem selten. Statistiken zeigen: Die Zahl schwerer Verbrechen pro Kopf lag um ein Vielfaches niedriger als in westlichen Industriestaaten. Diese Zahlen bleiben auch dann relevant, wenn man davon ausgeht, dass Verbrechen hier anders statistisch erfasst oder vielleicht sogar Zahlen geschönt wurden. Jeder ehemalige DDR-Bürger kann darüber hinaus aus eigener Erfahrung wertvolle, autobiografische Beobachtungen zu diesem Thema beisteuern.
Abbildung: Ob im Hof, im Park, auf Plätzen, in Parks oder auf der Straße – das Leben in der DDR spielte sich oft draußen ab. Man fühlte sich sicher, kannte die Nachbarn und war Teil einer sichtbaren Gemeinschaft.
Das hatte mehrere Gründe: Arbeit und Wohnung waren garantiert, wodurch die typischen Ursachen von Beschaffungskriminalität – Armut, Drogenabhängigkeit oder Obdachlosigkeit – weitgehend entfielen. Zudem wirkte die enge soziale Kontrolle durch Nachbarschaften, Betriebe und die Präsenz des ABV (Abschnittsbevollmächtigter) präventiv. Öffentliche Räume waren sicher, auch nachts. Kinder konnten allein zur Schule laufen, Frauen ohne Angst Straßenbahn fahren. Die Alltagsrealität war eine Gesellschaft mit hoher Grundordnung und niedrigem Risiko für alltägliche Gewalt.
Auch im subjektiven Empfinden vieler ehemaliger DDR-Bürger war ihr Staat ein sicheres Land: Straßen, durch die man abends nicht gehen wollte, kannte man nicht. Tabu-Viertel, die man aus Sicherheitsgründen mied, gab es nicht. Eltern ließen Kinderwagen mit Babys bedenkenlos vor dem Konsum stehen, Kinder konnten allein zur Schule gehen, ohne Angst vor Überfällen oder Entführungen. Öffentliche Räume waren sicher, selbst nachts. Dieses hohe Maß an gesellschaftlicher Grundordnung gehört zu den größten, oft verdrängten Errungenschaften der DDR.
👉 So war es in der BRD: In Westdeutschland sah die Lage völlig anders aus. Kriminalitäts-Hotspots gehörten hier bereits ab den 1970ern zum Stadtbild. Bereits seit den 1960er Jahren stiegen die Zahlen der Gewalt- und Eigentumskriminalität deutlich an. Vor allem Großstädte litten unter Raub, Wohnungseinbrüchen und zunehmender Straßenkriminalität. In den 1980er Jahren kam das massive Drogenproblem hinzu – etwa im berüchtigten Frankfurter Bahnhofsviertel ("Platz der Tränen"), wo offene Heroinszenen, Beschaffungskriminalität und hohe Todesraten das Stadtbild prägten.
Während in der DDR gesellschaftliche Sicherheit garantiert war, war in der BRD individuelle Unsicherheit im Alltag spürbar. Freiheit bedeutete im Westen auch, mit Kriminalität und sozialem Abstieg leben zu müssen – ein Preis, den viele Bürger zahlten.
Abbildung: Berlin, Hauptstadt der DDR, in den 1980ern. Die Alltagskriminalität war gering, Gewaltverbrechen sehr selten. Die Gründe lagen eben nicht allein in staatlicher Kontrolle, sondern auch in einem funktionierenden sozialen Netz, sozialer Einbindung und (quasi nicht zu überbietender) Lebenssicherheit.
🚑 Gesundheit & Prävention
👉 So war es in der DDR: Die DDR setzte auf ein umfassendes, staatlich organisiertes Gesundheitswesen. Zentrale Säule waren die Polikliniken: große, fortschrittliche und fachübergreifende Einrichtungen, in denen Hausärzte, Zahnärzte und Fachärzte gemeinsam arbeiteten – von Gynäkologie über Kinderheilkunde bis zu Radiologie und Physiotherapie. Jeder Bürger hatte dort schnellen und kostenlosen Zugang, selbst in kleinen Städten oder ländlichen Regionen. Dazu kamen Betriebsärzte, Pflichtuntersuchungen, Impfprogramme und Vorsorgekuren. Prävention war Staatsauftrag. So konnte eine breite Versorgung gesichert werden, die unabhängig vom Einkommen allen zugutekam.
👉 So war es in der BRD: Das Gesundheitssystem war kleinteilig, privatwirtschaftlich geprägt und stark vom Geldbeutel abhängig. Auf dem Land oder in kleinen Städten herrschte akuter Ärztemangel, oft mussten Patienten weite Wege zum nächsten Facharzt zurücklegen. Vorsorge war kein flächendeckendes System, sondern blieb in erster Linie Privatsache. Prävention kam spät und ungleich an – während in der DDR selbst kleine Städte eine Poliklinik hatten, war es im Westen normal, dass ganze Regionen unterversorgt blieben. Ein Problem, das heute wieder vielen Bürgern bekannt vorkommen dürfte...
Abbildung: In der DDR-Poliklinik bekam man Arzt, Facharzt und Labor unter einem Dach – ohne lange Wartezeiten. Das machte Gesundheitsversorgung für alle leicht zugänglich und effizient organisiert. Und: gratis war sie noch dazu.
🌱 Umwelt & Recycling
👉 So war es in der DDR: Die DDR kämpfte durchaus mit erheblichen Umweltproblemen (etwa Luftverschmutzung, Altlasten durch Braunkohle und Chemiebetriebe), die jedoch in den 1980er Jahren zunehmend staatlich erkannt und schrittweise angegangen wurden. Recycling war in der DDR kein nachträgliches Umweltprojekt, sondern fester Bestandteil des Alltags. Mit dem SERO-System (Sekundärrohstofferfassung) existierte ein staatlich organisiertes Rücknahmesystem, das Glas, Papier, Metalle und Kunststoffe erfasste und wiederverwertete. Millionen DDR-Bürger – besonders Kinder – brachten Altstoffe zu den Sammelstellen, oft verbunden mit einer kleinen Vergütung.
Dieses System war so effizient, dass es selbst nach der Wende noch als Maßstab galt: Westdeutsche Experten bezeichneten in mehreren Studien SERO als das fortschrittlichste Recycling-System der Welt. Es gelang der DDR, enorme Mengen an Wertstoffen im Kreislauf zu halten, Ressourcen zu schonen und die Bevölkerung aktiv einzubinden – etwas, das im Westen erst Jahrzehnte später in Ansätzen realisiert wurde.
👉 So war es in der BRD: Oft werden die massiven Umweltprobleme der BRD verschwiegen und nur die der DDR herausgestellt. Doch auch Westdeutschland kämpfte mit hochgradigen Umweltkatastrophen: das Ruhrgebiet war von Schwerindustrie und Smog geprägt, der Rhein in den 1970er Jahren als "Kloake Europas" bekannt, Wälder litten unter massivem Waldsterben durch Schwefeldioxid.
Beim Recycling versagte die BRD lange Zeit völlig. Abfälle landeten auf Deponien oder im Hausmüll. Der erste (Nachwende-)Versuch, mit dem "Grünen Punkt" ab 1991 ein eigenes Rücknahmesystem zu etablieren, wurde in Studien als ineffizient, teuer und ökologisch weitgehend wirkungslos bewertet.
Während die DDR mit SERO ein Kreislaufsystem auf Weltniveau hatte, steckte die BRD noch immer tief in der Wegwerfgesellschaft.
Abbildung: "Ham'se nicht noch Altpapier?" Kein Kind des Ostens, kein Jungpionier, kein Thälman-Pionier, der sich nicht sein Taschengeld mit eigenem Fleiß massiv mit der Sammlung von Altstoffen für die SERO aufbesserte. Dabei gingen viele Spenden nicht nur nach Nicaragua, Mosambik oder Vietnam. Ein großer Teil blieb auch übrig für das eigene Mokka-Eis oder wurde schlicht gespart für das nächste Fahrrad.
🌍 Internationales
👉 So war es in der DDR: Die DDR setzte auf internationale Solidarität, vor allem aber auf Hilfe beim Kampf gegen Unterdrückung, Kolonialismus und Imperialismus. Das macht es tatsächlich für einen DDR-Bürger leicht, sich mit seinem Staat und dessen Außenpolitik zu identifizieren.
Die DDR leistete große Unterstützung von Befreiungsbewegungen in Afrika, Asien und Lateinamerika, Solidarität mit dem ANC gegen die Apartheid in Südafrika, Hilfe für Angola, Mosambik und Guinea-Bissau. Gerade in Afrika half die DDR aktiv im Freiheitskampf gegen die Kolonialherren – insbesondere gegen das faschistisch geführte Portugal und das faschistisch geprägte Spanien. Auch in Asien engagierte sich die DDR: Sie leistete konkrete Unterstützung für das befreundete Vietnam – sowohl während des Befreiungskrieges gegen die USA als auch beim Wiederaufbau nach 1975. Entwicklungshilfe, Ausbildung von Fachkräften und die Förderung junger Menschen aus der "Dritten Welt" (sowohl vor Ort, als auch in der DDR selbst) waren Teil einer erklärten antikolonialen, humanistischen Politik.
Abbildung: Typisches Symbolbild. In der DDR war der Ruf nach Frieden so allgegenwärtig, dass er manchmal sogar schon Schulkinder nervte. Überall im Alltag begegnete einem immer wieder eine Floskel, Phrase oder ein Slogan, der sich auf Frieden und Völkerverständigung bezog. Heute bewerten einige das, was manchmal nervte, mit viel Abstand sicherlich anders.
👉 So war es in der BRD: Die BRD pflegte jederzeit enge Beziehungen zu autoritären Regimen, meist aus wirtschaftlichen Interessen, z.B.:
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Spanien (faschistische Franco-Diktatur): Enge Wirtschaftsbeziehungen trotz Folter und Hinrichtungen.
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Philippinen (Diktator Marcos): Politische Nähe und Investitionen trotz Unterdrückung und Zehntausenden Morden.
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Chile (Pinochet-Putsch 1973): Der Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsident Allende wurde mit Erleichterung aufgenommen, Handelskontakte unter Putschist und Diktator Pinochet verstärkt.
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Argentinien (Militärjunta 1976–83): Trotz Massenterror wurden Waffen und Maschinen geliefert.
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Südafrika (Apartheid): Westkonzerne wie Daimler-Benz und BASF machten Geschäfte, während die DDR aktiv den ANC unterstützte.
Abbildung: So sah typischerweise DDR-Entwicklungshilfe aus. Hilfe zur Selbsthilfe, Ausbildung und Training. Die DDR leistete umfangreiche Entwicklungshilfe, vor allem in Form von technischer Unterstützung, Ausbildungsprogrammen, Maschinen- und Saatgutlieferungen sowie beim Aufbau landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften. Besonders aktiv war sie in Mosambik, Äthiopien, Angola, Tansania und Sambia, wo Agrarprojekte, Bewässerungssysteme und Ausbildungszentren aufgebaut wurden.
🌾 Landwirtschaft
👉 So war es in der DDR: Die Landwirtschaft wurde ab 1952–1960 konsequent kollektiviert (LPGs und VEGs). Bis 1989 bewirtschafteten rund 3.800 LPGs den Großteil der Fläche; durchschnittliche Pflanzbau-LPGs umfassten mehrere tausend Hektar. Das Ziel war nicht maximaler Export, sondern eine autarke Grundversorgung der Bevölkerung – und diese wurde erreicht: 1989 lag der Selbstversorgungsgrad bei Milch 119 %, Fleisch 109 %, Getreide über 100 %. Die LPGs stellten damit die Versorgung der DDR-Bürger bei allen Grundnahrungsmitteln komplett sicher, unabhängig von Weltmarktpreisen oder Importabhängigkeit.
✅ Die DDR war 1989 das einzige Deutschland der Geschichte, das sich tatsächlich selbst vollständig mit Grundnahrungsmitteln versorgen konnte. Das gab es nie zuvor in Deutschland (weder im Kaiserreich, noch der Weimarer Republik oder im Dritten Reich). Auch nach der Wiedervereinigung gab es in Deutschland nie wieder einen solchen Autarkie-Status.
Abbildung: Fortschritt-Mähdrescher E 512 im Komplexeinsatz
👉 So war es in der BRD: Die westdeutsche Landwirtschaft arbeitete marktwirtschaftlich und gewinnorientiert, meist mit kleineren Familienbetrieben, aber intensiver Flächen- und Tierproduktion. Die Hektarerträge waren teilweise höher. Doch diese Leistungsfähigkeit stand auf wackeligen Füßen: Sie war nur möglich durch massive Subventionen der EG (Vorläufer der EU) und eine starke Orientierung am Weltmarkt. Die Versorgung der BRD-Bevölkerung war damit zu keinem Zeitpunkt autark, sondern immer abhängig von Importen und politischen Rahmenbedingungen.
Abbildung: Fortschritt hieß in der DDR auch: Frauenpower! Ende der 1980er Jahre waren 60 % der Beschäftigten in den LPGs Frauen.
🏗️ Infrastruktur im Alltag
👉 So war es in der DDR: Die DDR setzte auf eine flächendeckende Grundversorgung – selbst kleinere Städte und Dörfer verfügten über Poststellen, Arztpraxen oder Polikliniken, Bibliotheken, Kinos und Kulturhäuser. In fast jedem Ort gab es einen Kindergarten, eine Schule und eine Möglichkeit zum täglichen Einkauf. Auch staatlich organisierte Freizeit- und Kulturangebote waren selbstverständlich: Dorfkulturhäuser boten Theater, Tanzveranstaltungen oder Kinoabende. Damit war die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht auf die Großstädte beschränkt, sondern erreichte die gesamte Bevölkerung.
Besonders wichtig war auch das dichte Bahnnetz: Auf DDR-Gebiet umfasste es rund 14.000 Kilometer Streckenlänge. Damit war die Bahn ein zentrales Verkehrsmittel – günstig, verlässlich und für jedermann zugänglich. Selbst kleinere Städte und ländliche Regionen waren angeschlossen, sodass viele Bürger problemlos ohne Auto mobil sein konnten.
👉 So war es in der BRD: Im Westen zeigte sich ein anderes Bild: Viele ländliche Regionen verloren bis in die 1980er Jahre nach und nach ihre Infrastruktur. Kleine Schulen und Postämter wurden geschlossen, örtliche Kinos und Kulturhäuser verschwanden. Wer auf dem Land lebte, war zunehmend vom Auto abhängig, um Arzttermine wahrzunehmen, einzukaufen oder kulturelle Angebote nutzen zu können.
Hinzu kam ein folgenschwerer Einschnitt nach 1990: Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurden tausende Kilometer Schienen stillgelegt oder abgebaut – ganze Nebenstrecken verschwanden. Ironischerweise begann man ab den 2000er Jahren im Zuge der sogenannten "ökologischen Verkehrswende" genau diese Netze kostenintensiv wieder aufzubauen, die wenige Jahre zuvor leichtfertig stillgelegt worden waren. Ein Beispiel dafür, wie die DDR in Infrastruktur und Verkehrsvoraussicht deutlich weiter war, als man es ihr lange zugestehen wollte.
Abbildung: Wohngebietsfest im Wohngebiet und der Parkanlage Ernst-Thälmann-Park Prenzlauer Berg, Mitte der 1980er. Tatsächlich ist das soziale "Miteinander" keine verklärende Erinnerung.
👥 Gesellschaftliche Teilhabe
👉 So war es in der DDR: Ja, DDR-Bürger waren in ihrer Reisefreiheit eingeschränkt – Auslandsreisen in den Westen blieben die Ausnahme. Doch im Innern war die gesellschaftliche Teilhabe enorm hoch: Arbeit, Wohnung, medizinische Versorgung und Bildung waren für alle jederzeit garantiert. Kultur, Ferienlager, Sportvereine und Urlaub an der Ostsee oder im Erzgebirge standen Arbeiterfamilien offen. Die Kosten waren so gering, dass jeder Mensch, unabhängig vom Einkommen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte.
Darüber hinaus gab es das Instrument der Eingaben: Jeder Bürger konnte schriftlich an staatliche Stellen – bis hin zum Staatsrat oder einzelnen Ministern – Anliegen, Beschwerden oder Vorschläge einreichen. Diese wurden geprüft und tatsächlich konsequent individuell bearbeitet. Viele alltägliche Probleme – etwa bei Wohnung, Arbeitsplatz oder Versorgung – konnten so direkt angesprochen und nicht selten gelöst werden. Damit besaßen DDR-Bürger eine unmittelbare Möglichkeit der Einflussnahme auf Verwaltung und Politik, die im Alltag weit über das hinausging, was der Durchschnittsbürger in der BRD hatte. Studien belegen, dass mindestens 750.000, in manchen Jahren sogar bis zu 1 Million Eingaben pro Jahr bei den Behörden der DDR und der Partei eingingen. Diese wurden tatsächlich individuell bearbeitet.
👉 So war es in der BRD: Formale Reisefreiheit bestand – doch gesellschaftliche Teilhabe war vielfach vom Geldbeutel abhängig. Wer wenig verdiente, war schnell ausgeschlossen: Urlaub, Kultur oder auch sichere Wohnverhältnisse blieben für viele unerreichbar. Eine Möglichkeit wie die Eingabe existierte nicht. Westdeutsche Bürger mussten den Weg über Anwälte, Gerichte oder kostspielige Verwaltungsverfahren gehen, um ihre Anliegen durchzusetzen – was die Teilhabe für Arbeiter oder Arbeitslose stark einschränkte. Denn hier wurde (und wird) aufgrund der hohen Kosten von vorneherein ausgesiebt, wer zu seinem "Recht" kommt.
Abbildung: "Draußen nur Kännchen!", Sommer in Cottbus Mitte der 1980er. Café-Besuche, Eis, Restaurants oder die Bratwurst ums Eck: Keine Ausnahmen oder unerschwinglich, sondern immer elementarer Teil des Alltags aller DDR-Bürger.
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👉 Fazit
Wer heute noch glaubt, die DDR sei ein graues, freudloses Land voller Stasi-Spitzel, Mangelwirtschaft und Duckmäuser gewesen, der hat entweder nie dort gelebt – oder konsumiert seit 30 Jahren nur dieselbe Einheitskost westdeutscher Medien. Fakt ist: Die DDR war vieles, sicher nicht perfekt – aber sie war in vielen Bereichen der BRD weit voraus. Das zu bestreiten, heißt, Geschichte nicht verstehen zu wollen.
Und genau das ist das Problem: Bis heute weigern sich viele Westdeutsche hartnäckig, die DDR jenseits der gängigen Klischees überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Wer aber den Osten verstehen will, muss sich auch mit der Realität beschäftigen: mit Polikliniken, Babyjahr, garantierten Wohnungen, Eingaben, SERO-System, mit der Sicherheit, aber auch mit Völkerverständigung und dem allgegenwärtigen Aufruf zum Frieden. Doch diese unbequemen Wahrheiten passen oft nicht ins selbstgefällige Sieger-Narrativ der BRD.
Stattdessen zieht man es lieber vor, den Ostdeutschen bis heute mangelnde Dankbarkeit zu unterstellen. Dankbar wofür? Für die "Freiheit", arbeitslos zu werden? Für die Chance, die Mieten explodieren zu sehen? Für das große Glück, heute in Städten zu leben, in denen Kinder nicht mehr allein zur Schule gehen können, weil Straßen und Plätze nicht mal tagsüber sicher sind? Ironie der Geschichte: Viele DDR-Errungenschaften, die einst als "sozialistischer Unsinn" verspottet wurden, gelten heute im Westen als modernste gesellschaftliche Forderungen – von kostenloser Kita über leistbare Wohnungen bis hin zu umfassender Prävention im Gesundheitswesen. Willkommen im Jahr 2025, drei Jahrzehnte zu spät!
Und so bleibt festzuhalten: Wer im Jahr 2025 noch immer behauptet, die DDR habe "nichts Gutes hervorgebracht", der verweigert sich nicht nur der historischen Realität, sondern auch der Gegenwart. Denn ohne ernsthafte Auseinandersetzung mit den sozialen Errungenschaften des Ostens wird man die Wut, die Frustration – und auch den Stolz vieler Ostdeutscher – niemals begreifen.
Die DDR ist Geschichte. Aber ihre Ideen von sozialer Sicherheit, Gleichheit und echter Teilhabe sind aktueller denn je. Wer sie weiterhin ignoriert, macht nicht nur einen Fehler der Vergangenheit, sondern begeht denselben Fehler erneut – nur diesmal bewusst.
Oder, um es humorvoll auf den Punkt zu bringen:
Der Westen sollte sich weniger damit beschäftigen, ob im Osten die Regale manchmal leerer waren – und lieber einmal darüber nachdenken, warum heute in seinen eigenen Supermärkten zwar 30 Sorten Schokolade liegen, aber für immer mehr Menschen kein Geld mehr da ist, sich auch nur eine Tafel kaufen zu können.