Oder: Wie die DDR die BRD durch ihre bloße Existenz sozialer machte.
von Markus Gelau
Einschub vorab: Als wir kürzlich diesen Beitrag auf Social Media veröffentlichten, kommentierte ihn Dietmar L., ein Rentner aus Süddeutschland wie folgt:
"Kurz nach der Wende hat ein Betriebsrat zu mir gesagt "Jetzt wird es abwärts gehen mit dem Lebensstandard". Auf die Frage, warum, sagte er: "Wir brauchen nicht mehr mit dem Osten konkurrieren!". So ist es auch gekommen."
Ein passender, autobiografischer Kommentar. Und: Leider sehr selten in der Reflexion. Denn wenn heute über die DDR gesprochen wird und Westdeutsche ihren Senf dazu abgeben, fällt als erstes fast immer folgende Phrase, pardon – Frage:
"Ja, aber warum seid ihr denn 1989 auf die Straße gegangen?"
Die Frage an sich ist nicht schlecht. Sie wäre sogar wichtig – wenn die Fragenden sich wirklich für die Antwort interessieren würden. Leider tun sie das in den meisten Fällen nicht.
Und genau das ist eines der größten Probleme in diesem "vereinigten" Deutschland:
Westdeutsche interessieren sich im Allgemeinen nicht für Ostdeutsche. Und wenn sie es doch tun, dann meist:
- abwertend
- klischeehaft
- pauschalisierend
...und leider meist ohne irgendeine reale Kenntnis von Geschichte, Strukturen oder politischen Zusammenhängen.
Dabei wäre es im eigenen Interesse der Westdeutschen, sich mit der DDR und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Denn die DDR war kein isolierter Punkt, keine Fußnote, kein Randaspekt. Nicht nur das Ende der DDR hatte einen ganz wesentlichen (positiven) Einfluss auf das Leben aller BRD-Bürger. Auch ihre bloße Existenz vor 1989 sicherte den Bewohnern der BRD Lebensumstände, die ab 1990 Schritt für Schritt verschwanden.
Aber der Reihe nach:
📉Die wirtschaftliche Realität in der BRD vor der "Wiedervereinigung"
Tatsächlich war die wirtschaftliche Lage der BRD im Jahr 1989/1990 nicht katastrophal, aber alles andere als gut. Die westdeutsche politische Elite hatte an einer schnellen "Wiedervereinigung" – böse Zungen sagen "Annexion" der DDR – nicht nur aus historischen Gründen Interesse. Kohl und Konsorten wollten sich erklärtermaßen geschichtspolitisch verewigen.
Die Regierung der BRD trieb den Anschluss der DDR aber nicht nur in egoistischem Interesse voran, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen: Ende der 1980er-Jahre war die Bundesrepublik wirtschaftlich längst nicht mehr das strahlende Erfolgsmodell der "Wirtschaftswunder"-Zeit. Das Wachstum hatte sich spürbar abgeschwächt und pendelte nur noch um die 2 %, während zentrale Industriezweige wie Kohle, Stahl und Schiffbau in die Krise gerieten. Der teure und konfliktbehaftete Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft gelang nur schleppend, was vor allem ungelernte und ältere Arbeiter hart traf. Die Arbeitslosigkeit erreichte Rekordwerte von rund 10%, während zugleich die Staatsverschuldung stark anstieg – belastet durch hohe Sozialausgaben und Subventionen für auslaufende Industrien. Hinzu kamen Inflationssorgen, hohe Zinsen und wachsender Wettbewerbsdruck aus Asien, besonders in der Automobil- und Elektronikbranche. Kurz vor der "Wende" stand also nicht nur die DDR vor Herausforderungen – auch die BRD befand sich in einer tiefgreifenden wirtschaftlichen Krise.
1989 war jeder Westdeutsche im Schnitt mit rund 19.000 DM Staatsschulden belastet. In der DDR waren es dagegen nur etwa 1.200–1.600 DM pro Kopf.
Kurz: Die BRD war pro Einwohner zwölf- bis fünfzehnmal höher verschuldet als die DDR.
Diese ökonomischen Fakten sind die wahren Gründe dafür, dass die wirtschaftsnahe CDU-Regierung der BRD den Anschluss der DDR an "ihre" BRD vorantrieb. Sie finanzierte in der größten ausländischen Wahleinmischung der Geschichte den Wahlkampf ihrer Ablegerpartei in der entscheidenden, letzten Volkskammerwahl von 1990. Die BRD-CDU unter Helmut Kohl butterte fast 8 Millionen D-Mark in den letzten Wahlkampf der DDR. Fast 4 Millionen D-Mark stammten direkt aus den (mehr oder weniger schwarzen) Kassen der West-CDU. 8 Millionen D-Mark sind übrigens (kumuliert inflations- und kaufkraftbereinigt) über 7,5 Millionen Euro.
Die Unterstützung der West-CDU ging jedoch weit über finanzielle Mittel hinaus. Es wurden sogenannte Kreispartnerschaften gebildet, bei denen jeder (!) Landkreis in der DDR von einem westdeutschen CDU-Kreisverband "betreut" (also instruiert) wurde. Zehntausende westdeutsche CDU-Mitglieder nahmen Urlaub, um vor Ort in der DDR den Wahlkampf zu lenken. Zudem fanden über 400 Veranstaltungen mit etwa 80 Spitzenpolitikern der BRD-Unionsparteien in der DDR statt.
Dem hatten Parteien der DDR (vor allem die Bürgerrechtsparteien wie "Neues Forum") nichts entgegen zu setzen.
Das Ergebnis: Alle anderen Parteien der DDR (ohnehin wenig erfahren im westlichen Stil eines Wahlkampfs) waren chancenlos. Die CDU wurde (auch) in der DDR Wahlsieger. Dank eines mehr oder weniger gekauften Wahlsieges. Die Kernforderung der CDU (sowohl in Ost als auch in West) war: ein schneller Anschluss / Beitritt der DDR zur BRD.
Diese Vorgänge geschahen übrigens mit Rückendeckung der westdeutschen Wirtschaft, den BRD-Konzernen und Eliten: eben allen edlen CDU-Spendern, denn:
Der Anschluss der DDR an die BRD öffnete der BRD und ihrer Wirtschaft einen neuen Markt von 17 Millionen Konsumenten – zahlungskräftig, konsumorientiert, bereit. Das katapultierte die strauchelnde westdeutsche Wirtschaft nachweisbar wieder nach oben.
Der Aufschwung der westdeutschen Wirtschaft begann mit einem Geniestreich:
💸100 Mark für den Osten – Milliarden für den Westen
Zwischen November 1989 und Juni 1990 erhielten insgesamt rund 5 Millionen DDR-Bürger das sogenannte "Begrüßungsgeld". Jeder von ihnen bekam bei der Einreise in die Bundesrepublik 100 D-Mark, was in heutiger Kaufkraft ungefähr 220 bis 250 Euro entspricht. Insgesamt gab der westdeutsche Staat dafür etwa 470 Millionen D-Mark aus.
Dieses Geld blieb jedoch nicht lange in den Taschen der Ostdeutschen: Es wurde nahezu vollständig innerhalb weniger Stunden oder Tage ausgegeben – und zwar direkt und ausschließlich im Westen. Insbesondere der Einzelhandel, Kaufhausketten, westdeutsche Markenhersteller und der gesamte Konsumsektor profitierten unmittelbar und deutlich von dieser Maßnahme. Das Begrüßungsgeld wirkte damit nicht als humanitäres Geschenk, sondern als staatlich finanziertes Anschubkapital für den westdeutschen Konsum- und Warenmarkt.
Die 100 DM Begrüßungsgeld waren kein Geschenk an Ostdeutsche – sie waren ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm für die westdeutsche Konsumwirtschaft. Der Osten kaufte – der Westen kassierte.
Allerdings: Informierte Leser wissen, das war nur das Vorspiel zum großen Raubzug.
💰Der eigentliche wirtschaftliche Effekt: Die Währungsunion 1990
Der wirklich große ökonomische Umschwung setzte jedoch nicht mit dem Begrüßungsgeld ein, sondern mit der Währungsunion am 1. Juli 1990, als die D-Mark auch in der DDR eingeführt wurde. Von einem Tag auf den anderen verfügten Millionen Ostdeutsche über westliche Kaufkraft, die sie ausschließlich in westdeutsche Produkte investierte. Die Folge war eine massive Konsumverlagerung hin zu westdeutschen Waren, Marken, Supermarktketten, Kaufhausunternehmen und Herstellern.
Schätzungen des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) beziffern diese Nachfrageverschiebung allein für die Jahre 1990 bis 1991 auf etwa 60 bis 80 Milliarden D-Mark, die aus dem Osten direkt in westdeutsche Kassen flossen. Mit anderen Worten: Die Währungsunion war der eigentliche Konjunktur-Boost der BRD.
Und nebenbei eignete sich die BRD das größte jemals existierende Volksvermögen der Moderne an. Kein Staat der Welt hatte je vorher oder nachher so viel gemeinschaftliches Eigentum. Wo das hin ist? Das ist ein eigener Artikel...
Mit der DDR übernahm die BRD 1990 ein komplett verstaatlichtes Wirtschaftssystem:
- 7.900 volkseigene Betriebe (VEB)
- 4 Mio. Beschäftigte in diesen VEB
- 2,5 Mio. kommunale Wohnungen
- 2.000 Kombinate / Großbetriebe (mit eigener Forschung, Ausbildung und Gesundheitsversorgung)
- 4.500 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (inkl. riesiger Flächen Agrarland)
- Öffentliche Infrastruktur: Energie, Wasser, Verkehr, Medien, Bildung, Gesundheitswesen
Das war kein Kapitalmarkt- oder Familienbesitz, sondern rechtlich und anch der Verfassung der DDR Eigentum des Volkes.
Nach Schätzungen des BRD-Bundesrechnungshofs betrug das übernommene Volksvermögen der DDR 1990 über 600 Milliarden DM. Das sind inflationsbereinigt in heutiger Kaufkraft: über 1,5 Billionen Euro.
Von den knapp 8.000 DDR-Betrieben überlebte kaum einer. Der wirtschaftliche Aufschwung der BRD beruhte also nicht nur auf dem neuen Markt, sondern auch auf der systematischen Ausschaltung potenzieller Konkurrenz.
Wir müssen hier nicht erneut auf die Treuhand-Privatisierungen eingehen — das haben wir faktenbasiert bereits hier und hier ausführlich getan. Es genügt, festzuhalten:
Die BRD schenkte ihren Konzernen nicht nur 17 Millionen neue Kunden, sondern auch die Eliminierung eines kompletten eigenständigen Produktionssystems.
Und nein, die ostdeutschen Betriebe waren nicht "unfähig". Ganz im Gegenteil:
- Über 50% der DDR-Exporte gingen bis 1990 in den Westen
- Über 8000 westdeutsche Marken produzierten in der DDR
- Große Versandhauskataloge wie Quelle waren fast vollständig "Made in GDR"
- Das Märchen der "Nicht-Konkurrenzfähigkeit" ist historisch widerlegt.
Doch BRD-Bürger profitierten nicht nur indirekt über einen Wirtschaftsaufschwung durch das Ende der DDR. Auch und vor allem zu ihren "Lebzeiten" sicherte die DDR den Bürgern der BRD ihren Sozialstaat.
💶 "Blühende Landschaften" gegen Sparkonto: Wie man den Ostdeutschen 50% ihrer Ersparnisse raubte
Im Zuge der Währungsunion 1990 wurden DDR-Sparguthaben nur bis 4.000 Mark im Kurs 1 zu 1 getauscht. Alles darüber jedoch im Verhältnis 1:2 – also effektiv halbiert. Für viele Ostdeutsche bedeutete das einen spürbaren Verlust jahrzehntelang erarbeiteter Rücklagen. Nahezu jede Familie wurde so über Nacht der Hälfte ihrer Ersparnisse beraubt. Viele hatten nicht für Luxus gespart, sondern für Sicherheit: für Reparaturen, für die Kinder, für ein altes Auto, für den Lebensabend. Dieser Sicherheitsstock zerfiel über Nacht auf die Hälfte. Aus Sicht der BRD brachte diese Maßnahme jedoch klare wirtschaftliche Vorteile:
Denn durch die Halbierung der Sparguthaben strömte weniger frisches Geld in den gesamtdeutschen Geldkreislauf. Dadurch wurde die D-Mark vor Inflation geschützt, die westdeutschen Preise blieben stabil, und der Bundestaat musste weniger Geld bereitstellen, um ostdeutsche Guthaben auszuzahlen. Die Maßnahme stabilisierte das westdeutsche Finanzsystem – und dies wurde mit dem Vermögen der Ostdeutschen erkauft. Im Ergebnis bezahlten die DDR-Bürger also effektiv den Anschluss an die BRD selbst: mit ihren Sparguthaben.
Nicht die DDR brach den Ostdeutschen das Rückgrat – das war die Währungsunion. Denn während durch sie im Westen die D-Mark gestärkt wurde, wurden im Osten Millionen Lebensleistungen entwertet. Die Ersparnisse der Ostdeutschen wurden geopfert, um die Preisstabilität der Westdeutschen zu schützen. Man sprach von Freiheit – aber gemeint war: Kapitaltransfer.
💬 "Die DDR sitzt mit am Verhandlungstisch."
In den 1970er- und 1980er-Jahren war das in Westdeutschland ein geflügeltes Wort.
Gewerkschafter sagten es, wenn sie mit Arbeitgeberverbänden über Löhne, Arbeitszeiten oder Urlaubsansprüche verhandelten. Und jeder wusste, was gemeint war:
Solange es die DDR gibt, kann die BRD sich keine soziale Verwahrlosung leisten.
Denn die Existenz der DDR war ein ständiger Druckfaktor im Hintergrund jeder Tarifrunde.
Sie zeigte: Ein Industriestaat kann funktionieren, ohne Arbeitslosigkeit, ohne Obdachlosigkeit, ohne Millionengehälter. Und genau das machte die westdeutschen Arbeitgeber nervös. Die Gewerkschaften wussten das – und nutzten es.
Sie gingen an den Tisch und sagten sinngemäß: "Wenn ihr die Leute weiter auspresst, sehen sie im Osten, dass es auch anders geht." Deshalb konnte die westdeutsche Arbeiterschaft damals immer wieder höhere Löhne durchsetzen, die weit über dem internationalen Durchschnitt lagen. Deshalb gab es Tarifverträge, 13. Monatsgehälter, Betriebsrenten.
Nicht, weil die Unternehmer plötzlich sozial wurden – sondern weil sie im Kalten Krieg soziale Zugeständnisse als Schutzschild gegen den Sozialismus brauchten.
Die DDR saß also nie buchstäblich im Verhandlungsraum.
Aber sie war da – als unsichtbarer Teilnehmer.
🎭Der doppelte Effekt: Sicherheit durch Existenz – Aufschwung durch Untergang
Und nun der entscheidende Punkt:
Die DDR schuf durch ihre bloße Existenz als gesellschaftliche Konkurrenz nicht nur Lebensumstände für Westdeutsche, die heute allenfalls schöne Erinnerungen sind, sondern verschaffte der BRD sogar durch ihr Ableben noch einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Solange die DDR existierte, musste die BRD sozial bleiben, um im Systemvergleich gut auszusehen. Nach 1990 fiel dieser Druck weg – und Sozialstaat, Frieden & Sicherheit wurden abgebaut.
Die Wahrheit ist das Kind der Zeit, nicht der Autorität. Also werfen wir einen Blick auf die Entwicklung der BRD nach dem Ende der DDR. Keine Phrasen, kein Blabla, nur Fakten:
🧺 1. Armut
-
DDR 1989: 0% existenzielle Armut
(Wohnen, Heizung, Bildung, medizinische Versorgung gesichert) - BRD 1989: Armutsquote BRD unter 10%
- BRD 2025: 23%, in Großstädten bis zu 40%
(Quelle: Paritätischer Armutsbericht 2023)
🍞 2. Hunger
Tafeln in der BRD:
- DDR 1989: 0
- BRD 1989: 0
- BRD 2025: ca. 1.000, 2 Mio. Menschen sind heute angewiesen auf Leistungen der Tafel.
(Quelle: Bundesverband Tafel)
Anmerkung: Nicht "der Staat" sorgt hier für wirtschaftliche schwache Bürger, sondern engagierte Bürger selbst.
In Deutschland leben heute rund 3 Millionen Kinder in Armut. Das entspricht jedem fünften Kind. (Quelle: Paritätischer Armutsbericht / Destatis)
Armut bedeutet in Deutschland nicht automatisch völlige Unterversorgung, aber sie bedeutet Mangel an regelmäßigem, ausreichendem, gesundem Essen. Konkrete Daten aus der Ernährungsforschung:
- 20% aller Kinder aus Haushalten mit Armutserfahrung haben nicht genug zu essen zu Hause.
- 29% der Kinder aus armutsbetroffenen Familien überspringen Mahlzeiten, weil "kein Geld für Essen da ist".
- 38% der Schulkinder aus diesen Haushalten kommen ohne Frühstück in die Schule.
(Quelle: "Food Insecurity Among Children in Germany", Universität Hohenheim & sowie UNICEF-Report "Child Food Poverty in Rich Countries")
Das heißt wörtlich: Jedes fünfte Kind in Deutschland isst nicht genug – nicht aus Diät, sondern aus Geldmangel. Und genau das ist der Begriff von Hunger in Industrienationen: Nicht das völlige Ausbleiben von Nahrung, sondern regelmäßige, systematische Unterversorgung.
🏠 3. Wohnen
- DDR 1989: Miete stabil bei 2–4% des Einkommens
- BRD 1989: ca. 20% des Nettoeinkommens
- BRD heute: bis zu 55% des Einkommens für Miete
(Quelle: Deutscher Mieterbund)
🛠 4. Arbeit
- DDR 1989: Vollbeschäftigung
- BRD 1989: ca. 7% Arbeitslosigkeit
- BRD heute: fast 20% aller Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor, Leiharbeit Normalität, reale Arbeitslosigkeit mit Unterbeschäftigung 8–11%
(Quelle: IAB, WSI)
💸 5. Rente / Sozialstaat
- Rentenniveau DDR 1989: bis zu 80%
- Rentenniveau BRD 1989: 55%
- Rentenniveau BRD 2025: 47% (Rentenniveau BRD 2035 geplant: 43%)
(Quelle: BMAS)
In Deutschland steigt die Altersarmut seit Jahren – und zwar systematisch, nicht zufällig. Heute durchwühlen Rentner in der BRD Mülltonnen nach Pfandflaschen.
Jeder fünfte Rentner in Deutschland gilt heute offiziell als arm:
- (22% der über 65-Jährigen)
- Bei Frauen sind es sogar 29%
- Bei Alleinerziehenden im Ruhestand: über 40%
(Quelle: Paritätischer Armutsbericht / Destatis)
🕊 6. Frieden vs. Aufrüstung
- DDR bis 1989: Antikriegskonsens, keine Auslandseinsätze
- Militärausgaben der BRD 1989 → 2024: 24 Mrd € → 72 Mrd €
- BRD heute: 17 Auslandseinsätze, bei Waffenexporten #4 weltweit
(Quelle: SIPRI)
🏥 7. Gesundheitssystem
- DDR 1989: kostenfrei, Poliklinik-Modell, Teammedizin
- BRD 1989: 15% privat, 85% öffentlich + gemeinnützig
- BRD heute: 40% Krankenhäuser privatisiert → Gewinn vor Versorgung
(Quelle: RWI Essen; Deutscher Pflegerat)
🧸 8. Kinderbetreuung / Unterbringung
- DDR 1989: flächendeckende Kinderkrippen mit Platz für rund 80 % aller Kinder unter drei Jahren, ganztägige Betreuung als selbstverständlicher Teil des Alltags berufstätiger Eltern; Betreuung war nicht Privatsache, sondern öffentliche Aufgabe – zuverlässig, planbar und ohne Konkurrenz um Plätze.
- BRD 1989: Betreuungsquote unter drei Jahren bei nur 1–2 % – Krippen waren praktisch nicht vorgesehen. Kindergärten für 3–6-Jährige erreichten zwar 78 % Einschreibquote, aber 86 % dieser Plätze waren nur vormittags (08–12 Uhr), ohne Mittagessen und ohne Verlässlichkeit; echte Ganztagsbetreuung lag bei lediglich 6 %. Die Leitidee lautete: "Mutter zu Hause", weshalb Erwerbstätigkeit von Frauen mit kleinen Kindern auf 48 % fiel. Kinderbetreuung war keine staatliche Verantwortung, sondern eine private Haushaltsaufgabe. Wartelisten, Abhängigkeit von Großeltern, Ausstieg aus dem Beruf als Normalität.
- BRD heute: Trotz "Rechtsanspruch" erreicht die Betreuung unter 3 Jahren nur 36%, tatsächlicher Bedarf jedoch mindestens 50%, Ganztagsplätze sind regional ungleich verteilt, Personal fehlt, Eltern jonglieren Wartelisten, Schichtpläne, Kompromisse und Schuldgefühle.
(Quellen: Statistisches Bundesamt; DJI Kinderbetreuungsbericht 1990; BMFSFJ Kita-Bericht 1989 & 2024; DIW Erwerbstätigenstatistik; Wüest Partner Kita-Analyse 2023)
BRD-Eltern sollten also die Existenz der DDR auch deshalb vermissen, weil deren umfassende Betreuungsstruktur als ständiger Maßstab und als Rechtfertigung für ähnliche, flächendeckende Sozialleistungen im Westen hätte dienen können. Mit dem Ende der DDR verschwand dieser Druck, eine moderne und flächendeckende Kleinkinderbetreuung als staatliche Aufgabe zu gewährleisten.
♀️ 9. Erwerbstätigkeit von Frauen / Gleichberechtigung
- DDR 1989: Über 91 % der Frauen im arbeitsfähigen Alter erwerbstätig; ökonomische Unabhängigkeit als gesellschaftliche Norm und nicht als individueller "Lebensentwurf“. Beruf und Mutterschaft galten nicht als Widerspruch, sondern als Realität – getragen von öffentlicher Infrastruktur (Krippen, Betriebskindergärten, Hort, Poliklinik-Vorsorge).
- BRD 1989: Frauenerwerbstätigkeit mit Kindern unter 6 Jahren bei nur 48 %; das westdeutsche Leitbild der "Hausfrauenehe" hielt Frauen finanziell abhängig und reproduzierte eine strukturelle Abhängigkeit der Frau vom (männlichen) Ernährer.
- BRD heute: Erwerbstätigenquote von Müttern bei 74 %, jedoch vor allem in Teilzeit, Minijobs und prekären Beschäftigungen. Nicht aus Freiheit, sondern weil das System sie dazu zwingt: Betreuungslücken, unvereinbare Arbeitszeiten, schlechte Löhne und die selbstverständlich vorausgesetzte unbezahlte Arbeit im Haushalt. Ökonomische Abhängigkeit wird lediglich moderner verpackt – aber nicht überwunden.
(Quellen: DIW; Statistisches Bundesamt; BMFSFJ Lagebericht Familie 1989 & 2024)
🏛️ 11. Öffentlicher Raum, Leben & Infrastruktur
- DDR 1989: Bahnhöfe, Schwimmbäder, Sportplätze, Kulturhäuser, Bibliotheken, Jugendklubs, Ferienlager, Theater — öffentlicher Raum war öffentlich, zugänglich und nicht vom Geldbeutel abhängig. Wasser, Energie, Nahverkehr und Wohnraum waren Volkseigentum, also nicht Gewinnobjekt, sondern Daseinsvorsorge. Große Familien und Rentner nutzten Bus und Bahn gratis. Alle Preise des täglichen Lebens waren stabil, Mieten mit ca. 5% des Einkommens niedrig (heute oft über 55%), Schulspeisung 55 Pfennig, Schwimmbadeintritt 20 Pfennig, Kino für Kinder 50 Pfennig. Gemeinschaft war ein Ort. Und das Leben fand gemeinschaftlich statt, für alle.
- BRD 1989: Grundversorgung noch gemischt, aber die Privatisierungswelle war bereits vorbereitet (Postreform 1989, Bahnreform in Planung, Stadtwerke unter Druck). Öffentlicher Raum war formal vorhanden, aber bereits oft kommerziell strukturiert (Eintritt, Gebühren, Vereinsbeiträge, Konsumpflicht).
- BRD heute: Post, Bahn, Energie, Wohnen, Pflege, Telekommunikation, Gesundheit und Verkehr in großen Teilen privatisiert, aber nichts davon wurde objektiv besser. Die Infrastruktur der BRD ist marode, 60% aller Brücken sind "nicht mehr zukunftsfähig", Jede dritte kommunale Brücke in Deutschland ist akut sanierungsbedürftig. Der öffentliche Raum wird zum durchkommerzialisierten Aufenthaltsverbot: Plätze ohne Konsum sind unwillkommen, Freibäder geschlossen, Bäderpreise explodiert, Bahnhöfe werden zu Shopping-Malls mit Zügen dran. Wer kein Geld hat, hat keinen Ort und lebt isoliert.
Fazit:
Die DDR war der Grund, warum die BRD sich überhaupt sozial geben musste. Mit ihrem Ende verschwand der Systemvergleich – und damit jede Notwendigkeit, die Bevölkerung vor Markt, Ausbeutung und Verarmung zu schützen.
Klarer formuliert: Die DDR hat den Westen gezwungen, menschlich zu sein. Als die DDR verschwand, verschwand auch die soziale Verantwortung in der BRD. Prozesse und Entwicklungen, die klar und zahlenbasiert auf der Hand liegen.
14 Kommentare
Als Frau habe ich im Westen fast20Prozent weniger verdient als die männlichen Kollegen ,was sich natürlich auf die Rente auswirkte.Dazu kamen nur Stellenangebote in z.b. Teilzeit ,so dass man aus dem Frei geholt werden könnte bei Krankheitsfällen. Das alles wirkt sich auf die Rente aus und es sind oft die Frauen die als Ware Arbeitskraft zum Armuts Faktor werden. Dagmar
Der Volker Pispers hat`s mal sehr schön auf den Punkt gebracht: 1 Euro-Jobber gab`s schon immer, nur hat man die damals im Westen nicht gesehn. Wo wurden denn die Billy-Regale gebaut, die sich der Student hier leisten konnte ? Die Mauer war die perfekte Membran, die billigen Artikel ließ sie durch, die billigen Arbeitskräfte nicht. Schade, das der Mann leider nicht mehr auf der Bühne steht.
200 %
Ich empfehle vor allem allen “Wessis” zur Lektüre:
“TAMTAM UND TABU
Die Einheit:
Drei Jahrzehnte ohne Bewährung”
von
Daniela Dahn und Rainer Mausfeld,
Verlag Westend
Wieviel Prozent der Westdeutschen weigern sich, das zur Kenntnis zu nehmen ?
Kurz nach der Wende hat ein Betriebsrat zu mir gesagt “jetzt wird es abwärts gehen mit dem Lebensstandard”auf die Frage warum sagte er"wir brauchen nicht mehr mit dem Osten konkurrieren"so ist es auch gekommen